Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Und dennoch scheine ich es nicht komisch zu finden, dass ich immer nur abwarte dass alles besser wird, alles endlich in Gang kommt, das Leben losgeht oder so.
"She ain't running / She's walking a little slow / And she ain't crying - she's just singing a little low" - Rickie Lee Jones
2012-01-04
Die kleinen Dinge.
Ich bin mit einem Taxifahrer gefahren, der eine tiefe, samtsamtsamtweiche Stimme hatte und ein bisschen nach McDonalds roch und keinen Smalltalk machte, was ich immer super finde. Und als im Radio dann plötzlich "Eternal Flame" von den Bangles lief, konnte ich natürlich nicht mitsingen, das wäre ja peinlich, aber ich hab innerlich das breiteste Grinsen des Tages gehabt.
Mama fand, der Regenschirm mit dem gebogenen Griff, den ich mithatte, sei niedlich und wir redeten darüber, dass ich einen Mary Poppins-Regenschirm haben sollte, vielleicht mit einem Entengriff. (Ich ziehe das jetzt wirklich in Erwägung. Ein eigener Regenschirm, mit einem kleinen bisschen Persönlichkeit.) Und dann spazierten wir zum Haus meiner Familie und redeten und lachten über Dinge, über die man auch weinen könnte, worauf wir aber keine Lust haben.
Toll war auch, Mama mit irgendwelchen blöden Witzen zum lachen zu bringen, so ein richtiger Lachanfall. Und immer wenn sie dabei war, sich wieder zu beruhigen, noch einen erzählt. Bis ihr die Tränen kamen. Ausgelassenheit ist super.
Und den ganzen Tag über Freude, mal wieder Get Well Soon zu hören. Diese Geborgenheit, wenn man nach einem Zeitraum wieder zu einer Musik zurückkehrt, wie nachhause kommen.
"They want you to burn in hell
Because of your magic spell
It may seem hard but it's just fair enough
Cause Satan's your best friend" <3
Gute Tage sind gut.
2011-09-26
Was machen Sie anders als Ihre Eltern?
ich denke mehr nach. ich reflektiere mehr. ich bin, lebe, fühle, handle bewusster. ich weiß vielleicht nicht ganz, wer ich bin und vielleicht werde ich das auch nie ganz sein, aber ich weiß schon viel über mich und es wird mehr und ich bin auf einem guten weg. und das jetzt schon, nicht erst mit 40.
jedenfalls habe ich das alles vor. und es sich bewusst zu machen und sich vorzunehmen und los zu gehen ist ein guter anfang, ja?
ich will nicht die gleichen fehler machen. ich will da sein.
2011-06-22
"dieser Text. oder diese Geschichte. oder dieses Ding in meinem Kopf, das nicht mit mir reden will. Arschloch."
Der ganze Text, ohne Klammern und in der Ursprungsreihenfolge, ist mir zu privat für hier. Das kann ich nicht. (Und ja, ich als bekennende Menstruationstwittererin kann auch kaum glauben, dass ich das schreibe.)
(Nett, wie vieles ich heute nicht mehr so sehe. Obwohl ich mir in dem Moment sehr, sehr sicher war.)
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dieser Text. oder diese Geschichte. oder dieses Ding in meinem Kopf, das nicht mit mir reden will. Arschloch. (I)
"Würdest du mich einfach so mögen, wäre da ja nichts, was ich erreichen und auf was ich stolz sein kann. Das wäre ja viel zu einfach! Das wäre ja, als würde der eigene Vater einen liebhaben, obwohl man gar nichts dafür getan hat!" (...)
"Wenn mir einfach so Interesse entgegen gebracht wird, muss ich ja nichts leisten."(...)
"Sollte da irgendein Unterschied in der Sympathiemenge vorhanden sein, dann nur, weil ich das so will. Und es so einrichte. Blöderweise. Weil irgendetwas in mir zu glauben scheint, dass das so muss. Der andere kann mich nicht einfach so toll finden wie ich bin. Das kann nicht stimmen. Da muss eine Diskrepanz her. (...) Weil ich nunmal ich bin. Und andere nicht. Und ich war bisher mickrig und deshalb ist es nur logisch, dass ich auch mickrig bleibe. Es kann ja wohl kaum sein, dass ich nicht mickrig bin, sondern mich nur so fühle. Nein, das stützt sich schon auf Erfahrungen, einschlägige. Ich bin so vieles nicht wert, weil das so ist. Das war schon immer so. Kein Fehler in der Matrix." (...)
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dieser Text. oder diese Geschichte. oder dieses Ding in meinem Kopf, das nicht mit mir reden will. Arschloch. (II)
(...)"Ich sehe am Tag mindestens zwei Menschen, in deren Lächeln ich mich auf der Stelle verlieben könnte. Und mindestens genau so viele Augen, die genau die richtigen Blicke haben. Und mindestens genau so viele Hände, die mich schlichtweg verzaubern, in den simpelsten Momenten. DU BIST ERSETZBAR. Du bist nur einer von vielen, deren Aufmerksamkeit ich möchte, weil ich da irgendein nimmersattes schwarzes Defizitloch in mir habe. Und es läuft rum und sagt "Hunger" und ich esse und esse und am Montag gibt es einen Apfel und am Dienstag zwei Pflaumen und am Samstag Eiscreme und Kuchen und Pizza und Gummibärchen, aber das nimmersatte Defizit ist immer noch nicht satt. Und dann gibt es Menschen. 'Guck mal der, der ist schön. Und der. Und der. Und wenn der da mich schön, toll, bemerkenswert in irgendeiner Form finden könnte, wäre ich glücklich. Aber es kann auch der sein. Oder der.'
Weil ihr alle egal seid. Es geht um mich, ausschließlich."
(...)
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dieser Text. oder diese Geschichte. oder dieses Ding in meinem Kopf, das nicht mit mir reden will. Arschloch. (III)
"Würdest du mich einfach so mögen, wäre da ja nichts, was ich erreichen und auf was ich stolz sein kann. Das wäre ja viel zu einfach! Das wäre ja, als würde der eigene Vater einen liebhaben, obwohl man gar nichts dafür getan hat!" (...)
"Ja. Letztlich alles, was mein Vater [Anmerkung: Inzwischen schiebe ich das nicht mehr nur auf ihn, sondern auch auf andere.] an mir verbocken konnte. Da kommt das kleine Mädchen her, das so unbedingt geliebt werden muss für all die tollen Sachen, die es hinkriegt. Immer auf der Suche, nach Anerkennung, nach Liebe, Bewunderung - nicht aus Oberflächlichkeit, sondern aus einem ganz grundsätzlichen Bedürfnis heraus. Die Suche ist das einzig Bekannte. Und wenn dann jemand versucht, das zu erfüllen, das Gesuchte zu sein, wenn da jemand passt, weil er das Gesuchte ist - das geht nicht. Dann ist das einzige, was man kennt, weg. Die Suche. Die Suche ist schon so lange da, die kann nicht einfach weg sein. Alle anderen sind erst später dazu gekommen, die dürfen die Suche nicht verdrängen. Und wenn sie das tun, entscheidet man sich halt und dann natürlich für das, was einem vertraut ist. Suchen. Immer weiter. An allen überhaupt möglichen Zielen vorbei, weil der Weg das Ziel ist und die Suche der Schatz, der einem immer einen Regenbogen voraus ist."
2011-04-25
Antriebslosigk.
2011-03-05
Mal wieder ein bisschen teilen.
Die Zeit jetzt gerade ist komisch. Weil ich in einer Phase bin, in der ich vorher noch nie war. Es ist irgendein Abnabelungsding und klar, das gabs vorher auch schon. Aber jetzt geht es in eine neue Runde und es passiert so schnell und teilweise so heftig, dass ich manchmal nur dasitze und staune.
Ich hatte nicht damit gerechnet. Ich hatte nicht daran gedacht.
Bisher schob ich das meiste von dem, mit dem ich so umzugehen habe, auf meinen Vater. Der war dafür verantwortlich, dass ich vor Dingen stehe, mit denen ich alleine nicht mehr klarkomme. Das ist auch ziemlich einfach, er ist krank, sieht nicht klar, ich halte ihn für unreif, bezeichne ihn als Idioten - wie konnte der auch irgendwas richtig machen. Es war so einfach, auf ihn wütend zu sein. Väter sind sowieso schwierig und schnallen nichts und meiner gab dazu noch ein ziemlich gutes Feindbild ab. Denn: Auf Leute, die einem mit ihrer Dummheit weh tun, ist man ja öfter mal wütend, das kennt man schon, da hat man Übung.
Aber bei vielen Dingen heißt es ja zurecht "dazu gehören immer zwei". Und bei einem Kind ist das auch so. Da gehören zwei zu. Ein Vater und eine Mutter. Ein Vater, der so war, dass er seinem Kind nicht gerecht wurde - aber auch eine Mutter, die vielleicht mehr da war und mehr Verantwortung übernahm, aber dennoch ihrem Kind nicht gerecht wurde.
Und das ist der Knackpunkt, für mich. Meine Mutter erstmals in das Bild miteinbeziehen. Erstmalig sehen, dass sie auch an mir schuldig geworden ist. Meine Mutter war der Elternteil, der immer da, immer präsent, immer verantwortungsvoll war. Es fällt schwer, da eine Anklage zu formulieren, einen Vorwurf auszusprechen.
Meine Mutter und ich haben viele gute, ehrliche Gespräche geführt, sie versteht sich gut mit meinen Freunden und ich mich auch meist mit ihren, wir haben Ähnlichkeiten, die mir wichtig sind, in der Trennung meine Eltern sehe ich mich nicht als ein Opfer, sondern als eine ihrer Verbündeten, ihrer Unterstützer in diesem Schritt - wie gesund das ist bzw. nicht ist, ist mir momentan noch eine Nummer zu groß, um ehrlich zu sein. Sie folgt mir auf Twitter, sie liest meinen Blog, wir sind bei Facebook befreundet, wir schreiben uns Emails und SMS.
Und noch vor wenigen Wochen hätte ich euch gesagt, dass meine Mutter und ich eine fast freundschaftliche Beziehung haben.
Aber: You live, you learn. Und was ich jetzt lerne, ist: Auch wenn das alles so... nett und okay erscheint - es ist es nicht. Was ich vorher als freundschaftlich bezeichnet hätte, ist für mich jetzt nur noch eng, zu eng. Da ist so vieles, das nicht in Ordnung ist. Da ist vieles verkehrt gelaufen. Und leider hat meine Mutter, bei aller Mühe, die sie sich gegeben hat und immer noch gibt, manches ziemlich verschissen, ums mal so umgeschminkt zu sagen.
Und... an diesen Gedanken muss ich mich noch gewöhnen.
Zur Zeit lasse ich am meisten die Wut zu. "Gefühle sind nicht richtig oder falsch, Gefühle sind." habe ich gelernt und ich beherzige es und lasse zu. Da ist meine Wut. Die ist da, die ist nicht richtig oder falsch oder ungerechtfertigt, weil meine Mutter es doch wirklich versucht hat. Nein, die ist da! Genauso wie die Verletztheit und die Trauer und der Schmerz und die Einsamkeit - das ist alles da und es ist gut so! Weil ich mich nicht rechtfertigen muss dafür, dass ich menschliche Erfahrungen mache und menschlich fühle.
Ich weiß noch nicht, wieviel ich noch aufschreiben werde von dem, was mir zur Zeit im Kopf rumschwirrt. Jetzt bin ich erstmal wieder leer.