Content Note: Zeug über Intelligenz. Häufige Verwendung des Wortes "dumm" – und leider in der abwertenden Bedeutung. Gegen mich selbst, but still.
Ich bin nicht dumm und muss keine Angst haben, dass ich zu dumm sein könnte. Weiß ich, fühlt sich aber trotzdem nicht so an. Meh. Wenn ich lese und stocke wegen Verständnis, weil das Satzgerüst zu umfangreich geworden ist und ich es nicht auf Anhieb nachvollziehen kann, die unverstanden Fremdworte sich auftürmen – es dauert nur Sekunden bis folgendes eintritt: Du verstehst das nicht, weil du es nicht verstehen kannst, weil du (zu) dumm bist. Und selbst wenn du dich bemühst, pointless, sinnlos.
I'm afraid that I'm stupid.
I'm afraid that I'm permanently blocked from accessing the potential I'm supposed to have – somewhere.
I'm afraid that my intelligence is and always has been a lie, or, even worse, a fraud, and that I'm just about to discover that.
(Ich hab Angst, dass ich dumm sein könnte.
Ich hab Angst, dass ich dauerhaft blockiert bin und deshalb das Potenzial, dass ich angeblich irgendwo haben soll, nicht nutzen kann.
Ich hab Angst, dass meine Intelligenz eine Lüge ist und schon immer war, oder schlimmer, ein Betrug, und dass ich in Kürze genau das herausfinden werde.)
[Hintergrund: Für's Studium Texte lesen, zur Zeit gerade Simmel, und IT'S SO HARD. Das ist unerwartet, und das führt zu Angstsituationen, und das führt zu Angstgedanken die Amok laufen und ein aufmerksames Lesen und hoffentlich Verstehen des Textes unmöglich machen. Also: Angst aufschreiben, damit sie den Kopf verlässt – und/oder klar wird, wie blöd und unsinnig sie ist. Hat geholfen, 15/10, mach ich wieder.]
Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Und dennoch scheine ich es nicht komisch zu finden, dass ich immer nur abwarte dass alles besser wird, alles endlich in Gang kommt, das Leben losgeht oder so.
"She ain't running / She's walking a little slow / And she ain't crying - she's just singing a little low" - Rickie Lee Jones
Posts mit dem Label fickscheiße werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label fickscheiße werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
2012-04-10
Wo du Unrecht hast, hast du Unrecht.
Es ist nicht einfach nur pubertärer Teenagerweltschmerz, wenn ich von Todessehnsucht rede oder twittere und genau so wenig ist es pubertärer Teenagerweltschmerz, wenn ich davon schreibe, dass das Ende der Menschheit meine Vorstellung von Frieden, von Ruhe, von "ich muss mir keine Gedanken mehr um so vieles machen, um das ich mir eigentlich eh keine Gedanken machen muss, sie mir aber trotzdem mache" ist.
Es ist unter anderem deshalb nicht pubertär, weil ich während meiner Pubertät nie so gedacht habe, dafür war ich viel zu sehr mit anderen, kleineren Dingen beschäftigt. Natürlich kann es sein, dass du "pubertär" als "nicht rational, nicht nachvollziehbar, blablabla" definierst, dann hättest du vermutlich recht, denn ja, Nicht-Existenz ist kein nachvollziehbarer Wunsch, aber andererseits: Was interessiert mich deine Definition von "pubertär"? Und deine Meinung, was rational ist und was nicht? Ja, eben, nicht so wirklich viel.
Dieser Wunsch, die Sehnsüchte nach solchen Dingen, das passiert, wenn ich zu sehr auf das große Ganze sehe und das Kleine darüber vergesse, wenn das Wissen, dass wir so viele sind, mir zu viel und zu laut wird. Und das ist verdammt noch mal nicht einfach nur eine pubertätsbedingte Hormonschwemme in meinem Kopf. Ich könnte dich dafür schlagen, dass du es als das abtust, dass du einfach hingehst und es dazu erklärst, weil du kannst.
Es ist unter anderem deshalb nicht pubertär, weil ich während meiner Pubertät nie so gedacht habe, dafür war ich viel zu sehr mit anderen, kleineren Dingen beschäftigt. Natürlich kann es sein, dass du "pubertär" als "nicht rational, nicht nachvollziehbar, blablabla" definierst, dann hättest du vermutlich recht, denn ja, Nicht-Existenz ist kein nachvollziehbarer Wunsch, aber andererseits: Was interessiert mich deine Definition von "pubertär"? Und deine Meinung, was rational ist und was nicht? Ja, eben, nicht so wirklich viel.
Dieser Wunsch, die Sehnsüchte nach solchen Dingen, das passiert, wenn ich zu sehr auf das große Ganze sehe und das Kleine darüber vergesse, wenn das Wissen, dass wir so viele sind, mir zu viel und zu laut wird. Und das ist verdammt noch mal nicht einfach nur eine pubertätsbedingte Hormonschwemme in meinem Kopf. Ich könnte dich dafür schlagen, dass du es als das abtust, dass du einfach hingehst und es dazu erklärst, weil du kannst.
2011-12-21
Diese Scheiße mit den Bindungstypen raubt mir den letzten Nerv.
"Ich konnte die Hausaufgabe leider nicht machen, weil ich von dem zu bearbeitenden Text zu sehr weinen musste." Harrrharrrharrr.
"Je nach Interaktion zwischen Bindungsperson und Kind können verschiedene Hauptbindungsmuster entstehen. Jedes dieser Muster stellt eine an die Lebensbedingungen angepasste Verhaltensstrategie des Kindes und keine Bindungsstörung dar." Na dann.
"Das sicher gebundene Kind kann seine Gefühle zeigen (…).
Kinder, die ihre Gefühle in Stresssituationen nicht offen ausdrücken (…) werden dem unsicher-vermeidenden Bindungsmuster zugeordnet. Ihre Bindungspersonen sind häufig nicht sehr feinfühlig und stehen demnach auch nicht als sichere Basis zu Verfügung. Die Kinder entwickeln eine Vermeidungsstrategie: Sie suchen die Nähe ihrer Bindungsperson gar nicht erst, da sie von ihr keine Auflösung ihrer negativen Gefühle erwarten. Die unbewussten Arbeitsmodelle unsicher-vermeidend gebundener Kinder bilden die Bindungsperson als nicht unterstützend und sich selbst als zurückgewiesen ab. Auf diese Weise entwickeln sie ein eher negatives Selbstbild, unterdrücken ihre Gefühle und kontrollieren sich in hohem Maße selbst. Diese Kinder wirken oft besonders selbstständig und unbelastet. Jüngere Studien haben jedoch gezeigt, dass sie in den ersten Tagen in einer Einrichtung mindestens eben so stark unter Stress stehen wie sicher gebundene Kinder."
"Inneres Arbeitsmodell des Kindes beim unsicher-vermeidenden Bindungstypen:
- Andere Menschen sind unerreichbar und abweisend.
- Ich muss mich schützen.
- Wenn ich meine Bedürfnisse verleugne, werde ich nicht zurückgewiesen.
- Wenn ich mich um andere kümmere und meine eigenen Bedürfnisse verleugne, werde ich geliebt."
Pädagogische Texte lesen und in den Beschreibungen des kindlichen Verhaltens des eigenen, inzwischen 20-jährigen Ichs wiederfinden, immer wieder. Die ganzen Macken und Mechanismen, die ich für mich teilweise erst lerne, zu benennen und zu formulieren, einfach so auf Papier, als trockene Beschreibung, einfach so. Bums. Deal with it.
Ich möchte das nicht.
Vorhin dachte ich mir: "Hey, hätte ich nicht schon vor knapp nem Jahr die Therapie angefangen, hätte ich wahrscheinlich schon keine Lust mehr auf diese ganze Scheiße und die pädagogische Ausbildung einfach abgebrochen." Ha. Wahrscheinlich trotzdem nicht, aber der Unterschied wäre gravierend.
"Ja, das mit der Hausaufgabe hab ich nicht hinbekommen, ich hab's leider nur noch geschafft, meine Gefühle in einen Blogtext zu packen. Ha!"
"Je nach Interaktion zwischen Bindungsperson und Kind können verschiedene Hauptbindungsmuster entstehen. Jedes dieser Muster stellt eine an die Lebensbedingungen angepasste Verhaltensstrategie des Kindes und keine Bindungsstörung dar." Na dann.
"Das sicher gebundene Kind kann seine Gefühle zeigen (…).
Kinder, die ihre Gefühle in Stresssituationen nicht offen ausdrücken (…) werden dem unsicher-vermeidenden Bindungsmuster zugeordnet. Ihre Bindungspersonen sind häufig nicht sehr feinfühlig und stehen demnach auch nicht als sichere Basis zu Verfügung. Die Kinder entwickeln eine Vermeidungsstrategie: Sie suchen die Nähe ihrer Bindungsperson gar nicht erst, da sie von ihr keine Auflösung ihrer negativen Gefühle erwarten. Die unbewussten Arbeitsmodelle unsicher-vermeidend gebundener Kinder bilden die Bindungsperson als nicht unterstützend und sich selbst als zurückgewiesen ab. Auf diese Weise entwickeln sie ein eher negatives Selbstbild, unterdrücken ihre Gefühle und kontrollieren sich in hohem Maße selbst. Diese Kinder wirken oft besonders selbstständig und unbelastet. Jüngere Studien haben jedoch gezeigt, dass sie in den ersten Tagen in einer Einrichtung mindestens eben so stark unter Stress stehen wie sicher gebundene Kinder."
"Inneres Arbeitsmodell des Kindes beim unsicher-vermeidenden Bindungstypen:
- Andere Menschen sind unerreichbar und abweisend.
- Ich muss mich schützen.
- Wenn ich meine Bedürfnisse verleugne, werde ich nicht zurückgewiesen.
- Wenn ich mich um andere kümmere und meine eigenen Bedürfnisse verleugne, werde ich geliebt."
Pädagogische Texte lesen und in den Beschreibungen des kindlichen Verhaltens des eigenen, inzwischen 20-jährigen Ichs wiederfinden, immer wieder. Die ganzen Macken und Mechanismen, die ich für mich teilweise erst lerne, zu benennen und zu formulieren, einfach so auf Papier, als trockene Beschreibung, einfach so. Bums. Deal with it.
Ich möchte das nicht.
Vorhin dachte ich mir: "Hey, hätte ich nicht schon vor knapp nem Jahr die Therapie angefangen, hätte ich wahrscheinlich schon keine Lust mehr auf diese ganze Scheiße und die pädagogische Ausbildung einfach abgebrochen." Ha. Wahrscheinlich trotzdem nicht, aber der Unterschied wäre gravierend.
"Ja, das mit der Hausaufgabe hab ich nicht hinbekommen, ich hab's leider nur noch geschafft, meine Gefühle in einen Blogtext zu packen. Ha!"
2011-10-25
Al(p? b?)träume
Meine Mutter und meine Schwestern sind kürzlich umgezogen und wie es scheint, habe ich das in einem Traum verarbeitet, den ich heute Nacht/ Morgen/ Mittag, also während einer dieser Tageszeiten, die ich verschlief, träumte. Seltsam an diesem Traum war, dass meine Mutter aus dem Haus auszog, in dem mein Vater wohnt, aus dem wir (Mutter, Schwestern, ich) aber schon vor drei Jahren ausgezogen sind. Wie auch immer, ich war also da, in dem Haus, in dem ich 14 Jahre lang gewohnt und das ich seit drei Jahren nicht mehr (aus der Nähe) gesehen, geschweige denn betreten habe, und lief ein bisschen rum und guckte ein bisschen Sachen an und fragte meine Mutter, ob ich Sachen haben könnte, zum Beispiel dieses Räuchermännchen, das sie nie richtig leiden konnte und so weiter. Und hin und wieder habe ich auch meinen Vater und seine Eltern (also meine Großeltern, mein Therapeut wunderte sich neulich schon darüber, dass ich sie so nenne) gesehen. Und dann plötzlich habe ich angefangen zu weinen, im Traum, und nicht ganz so heftig wohl auch in der Realität, schlafend, weil es so weh tat, dass sich das nie ändern wird. Dass mein Vater nie zur Besinnung kommen wird, dass er meine Realität nie verstehen geschweige denn akzeptieren wird. Dass er mir nie ein Vater sein wird und dass dieses Paradoxon - ich habe einen Vater, aber er ist (von seinem Verhalten her) kein Vater - immer da sein wird. Auch wenn es irgendwann hoffentlich nicht mehr (so sehr) weh tun wird.
Das tat mir in meinem Traum weh, und ich weinte. Und davon wachte ich auf.
Und nach dem Aufwachen, als ich natürlich nicht sofort an anderes dachte, sondern mich gedanklich mit meinem Traum beschäftigte, fiel mir etwas auf:
Früher handelten meine Albträume (ich schreibs jetzt einfach mal mit b) von Monstern, die mich verfolgten, oder davon, dass meiner Familie oder einem anderen mir wichtigen Menschen etwas zugestoßen war, oder vom Weltuntergang. Das waren die Träume, nach denen ich nicht mehr einschlafen wollte.
Heute kommen in meinem Albträumen häufig mein Vater und meine Großeltern väterlicherseits vor. Beziehungsweise, wenn diese Menschen darin vorkommen, ist es so gut wie immer ein Albtraum, aufgrund der darin enthaltenen Gefühle, Atmosphären etc. Das sind heute die Träume, nach denen ich nicht mehr schlafen will.
Und verdammt, das hat mich traurig gemacht. Träume, die Albträume werden, weil der eigene Vater (!) darin vorkommt. Was zur Hölle?
"I don't always have nightmares, but when I do, I dream about my dad and my grandparents."
Haha, die eigene Emotionsmistlebensscheiße erstmal in ein Meme verwursten, dann ist das mit dem drüber lachen auch wieder einfacher. Dann nur aufpassen, dass man nicht doch wieder anfängt zu weinen, lachen und weinen ist ja durchaus nahe beieinander.
Das tat mir in meinem Traum weh, und ich weinte. Und davon wachte ich auf.
Und nach dem Aufwachen, als ich natürlich nicht sofort an anderes dachte, sondern mich gedanklich mit meinem Traum beschäftigte, fiel mir etwas auf:
Früher handelten meine Albträume (ich schreibs jetzt einfach mal mit b) von Monstern, die mich verfolgten, oder davon, dass meiner Familie oder einem anderen mir wichtigen Menschen etwas zugestoßen war, oder vom Weltuntergang. Das waren die Träume, nach denen ich nicht mehr einschlafen wollte.
Heute kommen in meinem Albträumen häufig mein Vater und meine Großeltern väterlicherseits vor. Beziehungsweise, wenn diese Menschen darin vorkommen, ist es so gut wie immer ein Albtraum, aufgrund der darin enthaltenen Gefühle, Atmosphären etc. Das sind heute die Träume, nach denen ich nicht mehr schlafen will.
Und verdammt, das hat mich traurig gemacht. Träume, die Albträume werden, weil der eigene Vater (!) darin vorkommt. Was zur Hölle?
"I don't always have nightmares, but when I do, I dream about my dad and my grandparents."
Haha, die eigene Emotionsmistlebensscheiße erstmal in ein Meme verwursten, dann ist das mit dem drüber lachen auch wieder einfacher. Dann nur aufpassen, dass man nicht doch wieder anfängt zu weinen, lachen und weinen ist ja durchaus nahe beieinander.
2011-08-23
Liebes inneres Kind.
Man sollte mir einen Zettel an den arm tackern: "Sei nett zu dir! SEI NETT!"
Wie schnell ich das vergesse. Wie oft ich das nicht bin. Ich scheitere, bin dann scheiße zu mir und mache es damit noch schmerzhafter.
Und dann sitze ich da und weiß um Himmels willen nicht, warum es mir so dreckig geht und nach Stunden fällt es mir ein: Ach ja.
Ach ja, Maria. Wie würde es einem Kind gehen, wenn du es für sein Scheitern fertig machst? Und was machst du mit dir? Und wie geht es dir?
Und während ich im Schneckentempo zu derartigen Erkenntnissen komme, sitzt mein inneres Kind in der Ecke und weint sich die Augen aus.
Liebes inneres Kind, ich bin so gemein zu dir und tue dir weh und es tut mir entsetzlich leid. Bitte vergib mir.
(Ich bekomme Termine nicht auf die Reihe, erledige nicht, was ich erledigen wollte/sollte, tätige Anrufe nicht, wenn ich sie tätigen sollte. Und ich stehe da und scheitere und gucke mir dabei zu und schimpfe. Der starke, erwachsene Teil schimpft entsetzlich mit dem schwachen Teil von mir. Dem Kind-Teil. Ich schimpfe entsetzlich mit mir, bin wahnsinnig wütend und enttäuscht. Von mir. Ich schimpfe und tobe und haue meinen Kopf und fühle mich völlig im Recht, ich habe das verdient, ich baue nur Scheiße.
Aber schließlich dann fällt mir auf, wie falsch das ist. Ich muss die Perspektive wechseln, ich muss projizieren, um es zu merken, aber es fällt mir auf. Inzwischen. Endlich.
Und dann fühle ich mich schuldig. Der starke Teil merkt, wie falsch das ist und fühlt sich schrecklich. Dieses Gefühl wird stärker bewusst, mit jedem Mal.
Was ich hinbekommen muss, ist nicht, mich auf die Seite des schwachen Teils zu stellen und den starken Teil auszuschimpfen. Denn dann wäre ich ja wieder gegen mich. Nein, ich muss den starken Teil dazu bringen, dem schwachen Teil zu helfen. Sie sollen nicht gegeneinander, sondern miteinander sein. Ich will nicht gegen mich selbst sein. Also bringe ich die beiden unter einen Hut, so gut es geht. Und es klappt zunehmend besser, glaube ich sagen zu können.)
Hallo Maria, denk dran: Ein Scheitern ist selten bis nie der Weltuntergang.
Wie schnell ich das vergesse. Wie oft ich das nicht bin. Ich scheitere, bin dann scheiße zu mir und mache es damit noch schmerzhafter.
Und dann sitze ich da und weiß um Himmels willen nicht, warum es mir so dreckig geht und nach Stunden fällt es mir ein: Ach ja.
Ach ja, Maria. Wie würde es einem Kind gehen, wenn du es für sein Scheitern fertig machst? Und was machst du mit dir? Und wie geht es dir?
Und während ich im Schneckentempo zu derartigen Erkenntnissen komme, sitzt mein inneres Kind in der Ecke und weint sich die Augen aus.
Liebes inneres Kind, ich bin so gemein zu dir und tue dir weh und es tut mir entsetzlich leid. Bitte vergib mir.
(Ich bekomme Termine nicht auf die Reihe, erledige nicht, was ich erledigen wollte/sollte, tätige Anrufe nicht, wenn ich sie tätigen sollte. Und ich stehe da und scheitere und gucke mir dabei zu und schimpfe. Der starke, erwachsene Teil schimpft entsetzlich mit dem schwachen Teil von mir. Dem Kind-Teil. Ich schimpfe entsetzlich mit mir, bin wahnsinnig wütend und enttäuscht. Von mir. Ich schimpfe und tobe und haue meinen Kopf und fühle mich völlig im Recht, ich habe das verdient, ich baue nur Scheiße.
Aber schließlich dann fällt mir auf, wie falsch das ist. Ich muss die Perspektive wechseln, ich muss projizieren, um es zu merken, aber es fällt mir auf. Inzwischen. Endlich.
Und dann fühle ich mich schuldig. Der starke Teil merkt, wie falsch das ist und fühlt sich schrecklich. Dieses Gefühl wird stärker bewusst, mit jedem Mal.
Was ich hinbekommen muss, ist nicht, mich auf die Seite des schwachen Teils zu stellen und den starken Teil auszuschimpfen. Denn dann wäre ich ja wieder gegen mich. Nein, ich muss den starken Teil dazu bringen, dem schwachen Teil zu helfen. Sie sollen nicht gegeneinander, sondern miteinander sein. Ich will nicht gegen mich selbst sein. Also bringe ich die beiden unter einen Hut, so gut es geht. Und es klappt zunehmend besser, glaube ich sagen zu können.)
Hallo Maria, denk dran: Ein Scheitern ist selten bis nie der Weltuntergang.
2011-08-16
Der heutige Tag als Blogeintrag. Oder so.
Heute war anstrengend, heute war sehr anstrengend. Ich schlief nachts spät, irgendwann nach 4 Uhr, ein und insgesamt sehr schlecht, kann mich erinnern, über Nacht mehrere Uhrzeiten auf meinem Wecker gesehen zu haben. Und ich träumte komplette Scheiße. Ein TARDISartiger Meerschweinchenkäfig und ich erkläre meiner Mutter "it's bigger on the inside", das ist für so einen Meerschweinchenkäfig natürlich verdammt praktisch. Als ich letztendlich aufwachte, um 8, hatte ich eine Stunde länger "geschlafen" als geplant und war spät dran. Da war es sehr uncool in den Spiegel zu gucken und wie eine Leiche zu gucken und schon allein wegen den verschwollenen Augen fast zu heulen. Aber hey, nach etwa einer Viertelstunde sah ich schon nur noch wie "mittelprächtig reanimiert" aus, also lieber nur noch mit Sonnenbrille in den Spiegel gucken, in meinem Kopf rumwitzeln und losgehen.
Auf dem Weg zur Grundschule, im Bus. Mein Handy erinnerte mich daran, dass heute Madonnas Geburtstag ist/war, der 53., wenn ich mich recht entsinne. Kurz danach sah ich eine sehr anorektisch aussehende Joggerin. Sie war ganz mager und sehnig. So wie Madonna. Das hat mich kurz amüsiert, auf eine tragische, zynische und etwas resignierte Art und Weise. Erschreckend, sowas.
Später, immer noch im Bus, habe ich weiter vor mich hingedacht. Ich weiß noch genau, wo ich langgefahren bin während dieser Situation. Irgendwann war da eine Straße, die Metzer Straße hieß. Für einen Moment las ich "Metzler Straße". Und so kam es, dass ich an Jakob von Metzler dachte, das passiert mir hin und wieder. Jakob von Metzler wurde am 17. April 1991 geboren, ich am 8. Mai desselben Jahres. Nicht ganz ein Monat Unterschied. Jakob von Metzlers Eltern dachten ebenso wie meine Eltern auch, sie hätten ein Kind mit einer Zukunft bekommen. Sie dachten natürlich, dass dieses Kind sie zu Grabe tragen würde und nicht andersrum. Niemand glaubt, dass er sein Kind zu Grabe tragen muss, bis während der Schwangerschaft irgendwelche Probleme festgestellt werden. Ist das nicht der Fall, glaubt natürlich niemand, dass ausgerechnet sein/ihr gesund geborenes Kind nicht lange leben, sondern entführt und ermordet wird. Dass es einen eigenen Wikipedia-Artikel haben wird, in dem der Name seines Mörders verlinkt ist. Und dass der Name des Mörders ausgerechnet Magnus Gäfgen ist, Gäfgen, wie ein hässliches Kläffen, und dass dieser Mensch auf Bildern so aussieht, dass ich das Gefühl dazu nicht richtig benennen kann, beziehungsweise das hier gar nicht will, weil es nicht nett ist, Menschen als "eklig" zu bezeichnen. Und dass der Wikipedia-Artikel des Mörders länger ist als der des Opfers. Und dass darin unter anderem steht, dass der Mörder mit der Entführung seinen aufwendigen Lebensstil finanzieren wollte. Der gemeine Leser fühlt sich ganz besonders abgestoßen.
Wo ich dann im Bus gedanklich gerade bei ermordeten Kindern und ihren Familien war, dachte ich an Mirco, der kleine Junge, der dieses Jahr von einem 45-jährigen Familienvater ermordet wurde. Mirco kam aus einer christlichen Familie. Und nachdem Mirco gefunden und der Mörder gefasst wurde, hat seine Familie dem Mörder vergeben. Ziemlich schnell. Christliche Familien machen das so. Ist jedenfalls mein Eindruck. Zynisch, ich weiß. Aber ich komme ja selbst aus der christlichen Szene. Und immer, wenn ich das höre/lese/mitkriege, wie eine christliche Familie oder irgendein Christ dem Mörder seines Kindes/sonstigem Verwandten - wie gesagt, das kommt öfter vor - vergibt, will ich kotzen. Ein Aspekt ist sicher, dass ich selbst Schwierigkeiten habe mit Vergebung. Ein anderer Aspekt ist, dass ich den Menschen das einfach nicht wirklich abnehme. "Hey, du hast mein Kind ermordet, das ist blöd, aber ach komm, ich vergebe dir." Sorry, I'm not buying this. Und ich habe einfach generell die Sorge, dass da Dinge zu kurz kommen. Dass diese Menschen nicht wütend oder werden, sondern sich diese Wut verkneifen, weil sie glauben, es sei falsch, wenn sie den Mörder am liebsten umbringen wollen würden. Dass man sich gegenseitig überzeugt, dass man dem Mörder vergeben möchte, denn "was würde Jesus tun?" Ernsthaft? Das würde mich in dem Moment nicht die Bohne interessieren, außer wenn Jesus mein totes Kind wieder zum Leben erwecken würde.
Ich kenn doch diese komische Gehirnwelt. Wir müssen vergeben, Jesus würde das wollen. Nein, ich muss gar nichts, jedenfalls nicht sofort. Und Jesus nimmt's mir nicht übel, wenn ich erstmal noch ein paar Jahre nicht mit dem Verlust klarkomme.
Überhaupt: What's the point? Liebe Christenheit, denkt ihr, die anderen finden euch scheiße, also, mehr als ohnehin schon, wenn ihr Mördern nicht vergebt? Warum muss man nach nicht mal einem Monat kundtun, dass man dem Mörder übrigens vergeben hat? Das wirkt nicht cool und souverän und speziell christlich mitfühlend und nächstenliebend. Das hat einfach nur einen Beigeschmack von "bitte, sucht euch einen guten Therapeuten."
Ich habe seit heute morgen im Bus vor, die Gedanken dieses Tages, die für Tweets einfach etwas zu umfangreich waren, in einen Blogeintrag zu packen. Und jetzt ist das ein Blogpost über ermordete Kinder, hooray.
Ein tolles Happening des heutigen Tages war das mit Rasierklingen Klebereste von Fensterscheiben abkratzen. Jetzt sind meine Fingerkuppen etwas gefetzt und um meinen rechten Daumen und Zeigefinger sind fette Pflaster, die meine Motorik etwas einschränken. Toll. Originell. Sich mit links den Arsch abwischen ist ganz schön schwer.
Ich bin so müde. Vorhin habe ich tatsächlich Baldriantabletten gekauft, nachher werde ich welche nehmen. Das fühlt sich an wie ein Tiefpunkt. Weil… hallo. So sehr nicht einschlafen können, dass man irgendwelche Mittelchen nimmt. Aua. Vorhin telefonierte ich mit meiner Oma und klang so verdammt müde und leise wie nie. Das letzte Mal gut eingeschlafen bin ich am Sonntag Morgen um 7, volltrunken und etwas verheult. Das Sofa war scheiße unbequem, also schlief ich nicht gut, aber immerhin schlief ich gut ein. Ich möchte endlich mal wieder gut schlafen. Aber wenn ich mich abends in mein Bett lege, ist das kein Frieden und ich hab nicht dieses "mein Bett ist nett"-Gefühl, das sonst immer da ist, IMMER. Wo ist mein nettes Bettgefühl hin? Ich möchte nicht richtig darüber nachdenken, was für Gründe es für diese Entwicklung gibt. Vielleicht muss ich einfach endlich mein Zimmer aufräumen, in aufgeräumten Zimmern fühlt man sich wohler und schläft vielleicht auch wieder besser.
Auf dem Weg zur Grundschule, im Bus. Mein Handy erinnerte mich daran, dass heute Madonnas Geburtstag ist/war, der 53., wenn ich mich recht entsinne. Kurz danach sah ich eine sehr anorektisch aussehende Joggerin. Sie war ganz mager und sehnig. So wie Madonna. Das hat mich kurz amüsiert, auf eine tragische, zynische und etwas resignierte Art und Weise. Erschreckend, sowas.
Später, immer noch im Bus, habe ich weiter vor mich hingedacht. Ich weiß noch genau, wo ich langgefahren bin während dieser Situation. Irgendwann war da eine Straße, die Metzer Straße hieß. Für einen Moment las ich "Metzler Straße". Und so kam es, dass ich an Jakob von Metzler dachte, das passiert mir hin und wieder. Jakob von Metzler wurde am 17. April 1991 geboren, ich am 8. Mai desselben Jahres. Nicht ganz ein Monat Unterschied. Jakob von Metzlers Eltern dachten ebenso wie meine Eltern auch, sie hätten ein Kind mit einer Zukunft bekommen. Sie dachten natürlich, dass dieses Kind sie zu Grabe tragen würde und nicht andersrum. Niemand glaubt, dass er sein Kind zu Grabe tragen muss, bis während der Schwangerschaft irgendwelche Probleme festgestellt werden. Ist das nicht der Fall, glaubt natürlich niemand, dass ausgerechnet sein/ihr gesund geborenes Kind nicht lange leben, sondern entführt und ermordet wird. Dass es einen eigenen Wikipedia-Artikel haben wird, in dem der Name seines Mörders verlinkt ist. Und dass der Name des Mörders ausgerechnet Magnus Gäfgen ist, Gäfgen, wie ein hässliches Kläffen, und dass dieser Mensch auf Bildern so aussieht, dass ich das Gefühl dazu nicht richtig benennen kann, beziehungsweise das hier gar nicht will, weil es nicht nett ist, Menschen als "eklig" zu bezeichnen. Und dass der Wikipedia-Artikel des Mörders länger ist als der des Opfers. Und dass darin unter anderem steht, dass der Mörder mit der Entführung seinen aufwendigen Lebensstil finanzieren wollte. Der gemeine Leser fühlt sich ganz besonders abgestoßen.
Wo ich dann im Bus gedanklich gerade bei ermordeten Kindern und ihren Familien war, dachte ich an Mirco, der kleine Junge, der dieses Jahr von einem 45-jährigen Familienvater ermordet wurde. Mirco kam aus einer christlichen Familie. Und nachdem Mirco gefunden und der Mörder gefasst wurde, hat seine Familie dem Mörder vergeben. Ziemlich schnell. Christliche Familien machen das so. Ist jedenfalls mein Eindruck. Zynisch, ich weiß. Aber ich komme ja selbst aus der christlichen Szene. Und immer, wenn ich das höre/lese/mitkriege, wie eine christliche Familie oder irgendein Christ dem Mörder seines Kindes/sonstigem Verwandten - wie gesagt, das kommt öfter vor - vergibt, will ich kotzen. Ein Aspekt ist sicher, dass ich selbst Schwierigkeiten habe mit Vergebung. Ein anderer Aspekt ist, dass ich den Menschen das einfach nicht wirklich abnehme. "Hey, du hast mein Kind ermordet, das ist blöd, aber ach komm, ich vergebe dir." Sorry, I'm not buying this. Und ich habe einfach generell die Sorge, dass da Dinge zu kurz kommen. Dass diese Menschen nicht wütend oder werden, sondern sich diese Wut verkneifen, weil sie glauben, es sei falsch, wenn sie den Mörder am liebsten umbringen wollen würden. Dass man sich gegenseitig überzeugt, dass man dem Mörder vergeben möchte, denn "was würde Jesus tun?" Ernsthaft? Das würde mich in dem Moment nicht die Bohne interessieren, außer wenn Jesus mein totes Kind wieder zum Leben erwecken würde.
Ich kenn doch diese komische Gehirnwelt. Wir müssen vergeben, Jesus würde das wollen. Nein, ich muss gar nichts, jedenfalls nicht sofort. Und Jesus nimmt's mir nicht übel, wenn ich erstmal noch ein paar Jahre nicht mit dem Verlust klarkomme.
Überhaupt: What's the point? Liebe Christenheit, denkt ihr, die anderen finden euch scheiße, also, mehr als ohnehin schon, wenn ihr Mördern nicht vergebt? Warum muss man nach nicht mal einem Monat kundtun, dass man dem Mörder übrigens vergeben hat? Das wirkt nicht cool und souverän und speziell christlich mitfühlend und nächstenliebend. Das hat einfach nur einen Beigeschmack von "bitte, sucht euch einen guten Therapeuten."
Ich habe seit heute morgen im Bus vor, die Gedanken dieses Tages, die für Tweets einfach etwas zu umfangreich waren, in einen Blogeintrag zu packen. Und jetzt ist das ein Blogpost über ermordete Kinder, hooray.
Ein tolles Happening des heutigen Tages war das mit Rasierklingen Klebereste von Fensterscheiben abkratzen. Jetzt sind meine Fingerkuppen etwas gefetzt und um meinen rechten Daumen und Zeigefinger sind fette Pflaster, die meine Motorik etwas einschränken. Toll. Originell. Sich mit links den Arsch abwischen ist ganz schön schwer.
Ich bin so müde. Vorhin habe ich tatsächlich Baldriantabletten gekauft, nachher werde ich welche nehmen. Das fühlt sich an wie ein Tiefpunkt. Weil… hallo. So sehr nicht einschlafen können, dass man irgendwelche Mittelchen nimmt. Aua. Vorhin telefonierte ich mit meiner Oma und klang so verdammt müde und leise wie nie. Das letzte Mal gut eingeschlafen bin ich am Sonntag Morgen um 7, volltrunken und etwas verheult. Das Sofa war scheiße unbequem, also schlief ich nicht gut, aber immerhin schlief ich gut ein. Ich möchte endlich mal wieder gut schlafen. Aber wenn ich mich abends in mein Bett lege, ist das kein Frieden und ich hab nicht dieses "mein Bett ist nett"-Gefühl, das sonst immer da ist, IMMER. Wo ist mein nettes Bettgefühl hin? Ich möchte nicht richtig darüber nachdenken, was für Gründe es für diese Entwicklung gibt. Vielleicht muss ich einfach endlich mein Zimmer aufräumen, in aufgeräumten Zimmern fühlt man sich wohler und schläft vielleicht auch wieder besser.
2011-08-02
World's Most Dangerous Countries for Women
Das ist der Artikel dazu. Ich hab mal ein paar Sätze rauskopiert.
"Targeted violence against females, dismal healthcare and desperate poverty make Afghanistan the world's most dangerous country in which to be born a woman, with Congo a close second due to horrific levels of rape. Pakistan, India and Somalia ranked third, fourth and fifth, respectively, in the global survey of perceptions of threats ranging from domestic abuse and economic discrimination to female foeticide (the destruction of a fetus in the uterus), genital mutilation and acid attack."
"The staggering levels of sexual violence in the lawless east of the DRC account for its ranking as the second most dangerous place for women. One recent US study claimed that more than 400,000 women are raped there each year. The UN has called the Congo the rape capital of the world."
""Up to 50 million girls are thought to be 'missing' over the past century due to female infanticide and foeticide," the UN population fund says, because parents prefer to have young boys rather than girls."
"Targeted violence against females, dismal healthcare and desperate poverty make Afghanistan the world's most dangerous country in which to be born a woman, with Congo a close second due to horrific levels of rape. Pakistan, India and Somalia ranked third, fourth and fifth, respectively, in the global survey of perceptions of threats ranging from domestic abuse and economic discrimination to female foeticide (the destruction of a fetus in the uterus), genital mutilation and acid attack."
"Nearly 50 Afghan teenagers were in the hospital after a mystery gas attack on a girls' school in the northern town of Charikar, the second mass poisoning of female students in a month. Attacks on girls schools have increased, particularly in the east and south of the country. A year prior, a group of schoolgirls in Kandahar had acid thrown in their faces by men who objected to them attending school."
"Women who do attempt to speak out or take on public roles that challenge the ingrained gender stereotypes of what is acceptable for women to do or not, such as working as a policewoman or news broadcaster, are often intimidated or killed."
"Rights activists say militia groups and soldiers target all ages, including girls as young as three and elderly women", according to the survey. "They are gang-raped, raped with bayonets and some have guns shot into their vaginas," the report continues."
"Mukhtaran Mai gives an interview at a school in Meerwala, located in the Muzaffargarh District of Pakistan's central Punjab province, April 22, 2011. Mai, a Pakistani victim of a village council-sanctioned gang-rape became a symbol of the country's oppressed women."
"Pakistan has some of the highest rates of dowry murder, so called honor killings and early marriage." According to Pakistan's human rights commission, as many as 1,000 women and girls die in honor killings annually."
"Rape cases happen on a daily basis, and female genital mutilation being done to every single girl in Somalia. Add to that famine and drought. Add to that the fighting which means you can die any minute, any day."
"The most dangerous thing a woman in Somalia can do is to become pregnant. When a woman becomes pregnant her life is 50-50 because there is no antenatal care at all. There are no hospitals, no healthcare, no nothing."
2011-06-18
Was ich sollte.
Und ich sollte schreiben, damit der ganze Kopfmist einen Platz bekommt, wo er hin kann. Und damit ich nicht in mir drin wieder und wieder alles sage, bis ich's nicht mehr hören will und kann und bis ich's mir vor allem nicht mehr glaube. Ich sollte das rauslassen, weil es in mir drin verrückt wird und nicht weiß, was es tun soll und weil, sobald ich etwas mehr darüber nachdenke, sobald ich es mir etwas länger angucke, schier wahnsinnig werde und mir die Tränen in die Augen steigen, viel zu leicht, weil das doch meins ist, was da rennt und verrückt wird in dieser Enge und in dem nicht Rauskönnen und in den endlosen Relativierungen. Und in der Wortlosigkeit und Bildlosigkeit und irgendwann Gefühllosigkeit durch Abstumpfung. Es rennt im Kreis und schmeißt sich gegen die Wände und wird wahnsinnig und ich werde mit wahnsinnig, denn, das ist doch meins, das bin doch ich! Das soll doch nicht leiden!
Ich sollte und müsste schreiben. Schon ein paar Sätze wie diese bringen Erleichterung. Ich müsste einfach nur weitermachen und weitergehen. Es wäre gar nicht so schwer, schwer kommt es mir nämlich nur vor, solange ich nicht damit anfange.
Aber es wäre auch nicht leicht. Und ich bin müde. Ich bin müde, ich bin müde, immer, wenn es drauf ankommt, bin ich müde. Also setze ich mich hin und lenke mich ab, mit irgendwas, alles wird begeistert angenommen, was auch nur irgendeine Ablenkung verspricht. Ich lenke mich ab "und tue so, als würde ich nicht denken." Und hoffe, dass Das Da in mir aufhört zu wimmern und mich vorwurfsvoll anzustarren. Und dass beim nächsten Mal wieder irgendeine gute Ablenkung zur Verfügung ist, damit ich mich um Gottes Willen nicht mit meinen Gordischen Knoten beschäftigen muss.
Ich sollte und müsste schreiben. Schon ein paar Sätze wie diese bringen Erleichterung. Ich müsste einfach nur weitermachen und weitergehen. Es wäre gar nicht so schwer, schwer kommt es mir nämlich nur vor, solange ich nicht damit anfange.
Aber es wäre auch nicht leicht. Und ich bin müde. Ich bin müde, ich bin müde, immer, wenn es drauf ankommt, bin ich müde. Also setze ich mich hin und lenke mich ab, mit irgendwas, alles wird begeistert angenommen, was auch nur irgendeine Ablenkung verspricht. Ich lenke mich ab "und tue so, als würde ich nicht denken." Und hoffe, dass Das Da in mir aufhört zu wimmern und mich vorwurfsvoll anzustarren. Und dass beim nächsten Mal wieder irgendeine gute Ablenkung zur Verfügung ist, damit ich mich um Gottes Willen nicht mit meinen Gordischen Knoten beschäftigen muss.
2011-05-19
Wenn ich nicht darüber nachdenke
Wenn ich nicht darüber nachdenke, wie traurig es ist, sich selbst gut zuzureden, sich zu beschwichtigen wie ein kleines Kind oder sich auch mal im Spiegel klar und mit Nachdruck ein "Nein! Nein Nein Nein!" entgegen zu halten, dann tut es auch nicht weh.
Wenn ich nicht darüber nachdenke, wie verzweifelt es ist, immer 5 Schritte vor und zurück zu laufen oder da zu sitzen und sich zu wiegen bis man ruhig wird, dann tut es auch nicht weh. Dann hilft es einfach nur.
Wenn ich nicht darüber nachdenke, dass es traurig ist, da zu sitzen und sich selbst festzuhalten, weil niemand da ist, dem ich das sonst zutraue - wenn ich nicht darüber nachdenke, diesen Gedanken nicht in meinem Kopf formuliere, nichtmal ein kleines bisschen - dann tut es auch nicht weh. Sondern hilft und beruhigt mich und sorgt dafür, dass ich mich nicht mehr ganz so alleine fühle.
Wenn ich nicht daran denke, dass es eigentlich so anders sein sollte und könnte, dann tut es auch nicht weh.
Wenn ich nicht daran denke, dass ich immer und immer und immer und immer und immer wieder so handle, wenn ich nicht daran denke, dass ich mir innen drin nicht einig bin, ob ich zu mir halten oder mich lieber fertig machen will, wenn ich nicht daran denke, dass manches in mir so sehr gegen mich ist, wenn ich nicht daran denke, dass es eben diese Teile sind, die mich so in der Hand haben und meinen, ich müsse das alleine schaffen, ich dürfe keine Hilfe erbitten, ich dürfe keine Schwäche zeigen - obwohl sie immer das Falsche als Schwäche brandmarken -
wenn ich das nicht denke und nicht sage und nicht formuliere und versuche, es nichtmal zu fühlen DANN TUT ES AUCH NICHT WEH.
Wenn ich nicht daran denke, dass ich diese Uneinigkeit über mich mit mir in mir herumschleppe und sie überall da ist und ich keine Ruhe finde, nichtmal zuhause, wenn ich nicht an die Uneinigkeit denke, kann ich sie fast ein bisschen vergessen und dann tut sie nicht so sehr weh.
Wenn ich nicht darüber nachdenke, dass ich das hier und all diese Dinge, die so sind, ins Internet schreibe und Leute es lesen und es ihnen am Arsch vorbei geht, tut's nicht weh.
Und wenn ich nicht darüber nachdenke, dass ich das hier ins Internet schreibe und Menschen das lesen und betroffen sind und sich wünschen, sie könnten helfen, dann tut's mir auch nicht weh und nicht leid und ich muss mich nicht schämen, weil ich andere traurig mache, indem ich nicht die Klappe halte. Obwohl auch das wieder falsch ist. Weil ich einfach sehen sollte, dass Menschen sich kümmern und helfen wollen. Ich sollte daraus Kraft und Mut oder irgendwie so etwas schöpfen, statt mich für meine Ehrlichkeit zu schämen.
Wenn ich über diese Dinge nicht nachdenke, machen sie mich gar nicht mal so traurig. Und das ist bei so vielen Dingen so. Denk nicht großartig drüber nach, dann tut's auch nicht weh.
Manchmal weiß ich nicht, warum ich überhaupt noch denke.
Wenn ich daran denke, was...
Nee, Genug gedacht.
Wenn ich nicht darüber nachdenke, wie verzweifelt es ist, immer 5 Schritte vor und zurück zu laufen oder da zu sitzen und sich zu wiegen bis man ruhig wird, dann tut es auch nicht weh. Dann hilft es einfach nur.
Wenn ich nicht darüber nachdenke, dass es traurig ist, da zu sitzen und sich selbst festzuhalten, weil niemand da ist, dem ich das sonst zutraue - wenn ich nicht darüber nachdenke, diesen Gedanken nicht in meinem Kopf formuliere, nichtmal ein kleines bisschen - dann tut es auch nicht weh. Sondern hilft und beruhigt mich und sorgt dafür, dass ich mich nicht mehr ganz so alleine fühle.
Wenn ich nicht daran denke, dass es eigentlich so anders sein sollte und könnte, dann tut es auch nicht weh.
Wenn ich nicht daran denke, dass ich immer und immer und immer und immer und immer wieder so handle, wenn ich nicht daran denke, dass ich mir innen drin nicht einig bin, ob ich zu mir halten oder mich lieber fertig machen will, wenn ich nicht daran denke, dass manches in mir so sehr gegen mich ist, wenn ich nicht daran denke, dass es eben diese Teile sind, die mich so in der Hand haben und meinen, ich müsse das alleine schaffen, ich dürfe keine Hilfe erbitten, ich dürfe keine Schwäche zeigen - obwohl sie immer das Falsche als Schwäche brandmarken -
wenn ich das nicht denke und nicht sage und nicht formuliere und versuche, es nichtmal zu fühlen DANN TUT ES AUCH NICHT WEH.
Wenn ich nicht daran denke, dass ich diese Uneinigkeit über mich mit mir in mir herumschleppe und sie überall da ist und ich keine Ruhe finde, nichtmal zuhause, wenn ich nicht an die Uneinigkeit denke, kann ich sie fast ein bisschen vergessen und dann tut sie nicht so sehr weh.
Wenn ich nicht darüber nachdenke, dass ich das hier und all diese Dinge, die so sind, ins Internet schreibe und Leute es lesen und es ihnen am Arsch vorbei geht, tut's nicht weh.
Und wenn ich nicht darüber nachdenke, dass ich das hier ins Internet schreibe und Menschen das lesen und betroffen sind und sich wünschen, sie könnten helfen, dann tut's mir auch nicht weh und nicht leid und ich muss mich nicht schämen, weil ich andere traurig mache, indem ich nicht die Klappe halte. Obwohl auch das wieder falsch ist. Weil ich einfach sehen sollte, dass Menschen sich kümmern und helfen wollen. Ich sollte daraus Kraft und Mut oder irgendwie so etwas schöpfen, statt mich für meine Ehrlichkeit zu schämen.
Wenn ich über diese Dinge nicht nachdenke, machen sie mich gar nicht mal so traurig. Und das ist bei so vielen Dingen so. Denk nicht großartig drüber nach, dann tut's auch nicht weh.
Manchmal weiß ich nicht, warum ich überhaupt noch denke.
Wenn ich daran denke, was...
Nee, Genug gedacht.
2011-04-25
Antriebslosigk.
Wenn man im Laufe des Tages aufwacht, zu sich kommt, das erste Mal richtig, obwohl man schon ein paar Mal an diesem Tag aufgewacht ist.
Und erstmal scheint alles normal. Noch ein bisschen schläfrig, fühlt sich an wie müde, ist es aber nicht, weil du ja lange genug geschlafen hast. Das ist okay, dass man nicht sofort topfit ist und erstmal ein bisschen braucht, um sich zu berappeln.
Also erstmal wieder ins Bett setzen. Mit Laptop, damit man zumindest schonmal Internetdinge angucken kann, das ist ja eigentlich ganz lustig und im Laufe der Zeit wird man dann auch dahin kommen, dass man jetzt gerne mal was essen möchte und dafür aufstehen muss und überhaupt noch Dinge erledigt müssen und überhaupt.
Und erst, wenn dann die erste Stunde oder auch ein paar weitere Stunden vorbeigegangen sind und du merkst, wie du immer öfter statt auf den Bildschirm aus dem Fenster guckst und irgendwelchen Gedankengirlanden folgst. Erst dann nervt es eigentlich. Das Nichtstun. Und du weißt ganz genau, dass noch Dinge anstehen. Dass du jetzt die Zeit und eigentlich auch die Energie hast, sie zu tun. Aber du weißt auch genau so gut, dass du sie nicht tun wirst. Das ist schon seit Jahren so. Du tust die Dinge nicht, wenn die Zeit dazu mal da ist. Und jetzt greifst du nicht mal zu einem Buch, um dich abzulenken, du liest keinen Blog, weil sogar das zu anstrengend ist. Alles, was geht, ist die Gedankengirlanden weiter zu verfolgen, bis sie zu Gedankengedärmen werden, die an irgendwelchen unsichtbaren Haken aufgehängt sind und ekelhaft glitschig aussehen und dann irgendwann werden sie zu Schlangen, die dich böse anfunkeln und dann hast du wirklich keine Lust mehr das ganze weiterzufolgen, aber aufstehen und das zimmer aufräumen oder die wohnung saugen wäre so anstrengend, selbst wenn gute musik dazu laufen würde, selbst aufstehen an sich wäre viel zu anstrengend, auf dem bett liegen und sich zusammenrollen und weiterweiterweiter denken tut mehr weh, ist aber auch so unendlich viel leichter, also machst du das natürlich, der weg des geringsten widerstands, kapitulation in embryonalhaltung und hey, du hast auch ganz schön lange nicht mehr geweint, das ist okay, halt deine quote, mach ruhig, alles andere würde dich ja jetzt auch bloß ablenken und das stört doch und vermisst du nicht auch die dinge an die du schon so lange nicht mehr gedacht hast und über die du schon so lange nicht mehr geweint hast also nur ein bisschen nicht mehr so richtig und deshalb darf es jetzt auch mal wieder weh tun und du darfst die worte sagen die weh tun mach ruhig sag schon ich vermisse mama und ich vermisse papa und ich will nicht vermissen und ich will nicht die worte sagen die weh tun aber machs einfach alles andere wäre jetzt wirklich viel zu schwierig und hey wenns weh tut ist es gut und dan wird es irgendwann nicht mehr weh tun also los, kapitulation in embryonalhaltung und einfach nur hoffen, dass dieser Tag vorbeigeht und du bitte, bitte, bitte bald wieder schlafen gehen kannst.
2011-04-06
Blogdinge auf Badezimmerfußböden und Müdigkeit.
In meinen Gedanken spielt Müdigkeit gerade eine große Rolle.
Mein Kopf sagt mir, dass er müde ist. Von den vielen Gedankenrunden. Das Laufen macht keinen Spaß mehr, es fühlt sich an, als würde man die Strecke in- und auswendig kennen, nur selten kommt etwas neues dazu, dass sich dann aber auch schnell abnutzt. Laufen ist gesund, ist Sport ja im allgemeinen. Aber wenn mein Kopf ein Läufer wäre, wäre er einer dieser dürren, abgehetzten, mit sehnigen Madonna-Armen. Einerseits Blicke, die die meiste Zeit müde sind, egal wohin sie schauen, und in denen ein Leuchten so selten ist, dass man die meiste Zeit lieber nicht an ein Leuchten denken möchte, weil die Abwesenheit zu weh tut. Andererseits diese Gehetztheit. Ein ewiges Marathontraining, für einen Marathon, den man sich gar nicht traut zu laufen.
Jetzt, wo ich das aufschreibe, erscheint dieses Bild ziemlich plausibel. Mein Kopf ist ein guter Läufer. Er trainiert bis zum Umfallen, auch wenn ich das nicht will. Er läuft zu viel und er übt und er übt und er übt. Und trotzdem lasse ich ihn diesen Marathon nicht laufen. Ich trau mich nicht. Ich trau ihm das nicht zu.
Und mein Herz sagt mir auch, dass es müde ist. Ständig versucht es Worte zu finden, Sätze zu bilden, in denen "müde" oder "Müdigkeit" enthalten ist. "Ich bin müde." "Ich bin müde in meinem Kopf, ich bin müde in meinem Herzen." "Meine Müdigkeit ist …" Ich finde schon nichts mehr, was ich zur Müdigkeit sagen kann. Ich breche die Sätze ab, weil ich sie schon hundert Mal gehört, gefühlt, neu versucht habe.
Meine körperliche Müdigkeit ist groß. Aber noch größer ist meine emotionale Müdigkeit. Die ist so groß, dass ich am liebsten monatelang nur schlafen möchte. Oder tot sein, um mich um nichts mehr kümmern zu müssen. So groß ist die Müdigkeit.
In meinem Kopf findet jetzt gerade nicht viel neben ihr Platz, so groß ist sie. Die Müdigkeit ist der zentrale Punkt. Das, worauf ich immer wieder zurückkomme. Und das gefällt mir nicht, ich möchte es ändern.
Aber erstmal muss ich mich ausruhen.
Mein Kopf sagt mir, dass er müde ist. Von den vielen Gedankenrunden. Das Laufen macht keinen Spaß mehr, es fühlt sich an, als würde man die Strecke in- und auswendig kennen, nur selten kommt etwas neues dazu, dass sich dann aber auch schnell abnutzt. Laufen ist gesund, ist Sport ja im allgemeinen. Aber wenn mein Kopf ein Läufer wäre, wäre er einer dieser dürren, abgehetzten, mit sehnigen Madonna-Armen. Einerseits Blicke, die die meiste Zeit müde sind, egal wohin sie schauen, und in denen ein Leuchten so selten ist, dass man die meiste Zeit lieber nicht an ein Leuchten denken möchte, weil die Abwesenheit zu weh tut. Andererseits diese Gehetztheit. Ein ewiges Marathontraining, für einen Marathon, den man sich gar nicht traut zu laufen.
Jetzt, wo ich das aufschreibe, erscheint dieses Bild ziemlich plausibel. Mein Kopf ist ein guter Läufer. Er trainiert bis zum Umfallen, auch wenn ich das nicht will. Er läuft zu viel und er übt und er übt und er übt. Und trotzdem lasse ich ihn diesen Marathon nicht laufen. Ich trau mich nicht. Ich trau ihm das nicht zu.
Und mein Herz sagt mir auch, dass es müde ist. Ständig versucht es Worte zu finden, Sätze zu bilden, in denen "müde" oder "Müdigkeit" enthalten ist. "Ich bin müde." "Ich bin müde in meinem Kopf, ich bin müde in meinem Herzen." "Meine Müdigkeit ist …" Ich finde schon nichts mehr, was ich zur Müdigkeit sagen kann. Ich breche die Sätze ab, weil ich sie schon hundert Mal gehört, gefühlt, neu versucht habe.
Meine körperliche Müdigkeit ist groß. Aber noch größer ist meine emotionale Müdigkeit. Die ist so groß, dass ich am liebsten monatelang nur schlafen möchte. Oder tot sein, um mich um nichts mehr kümmern zu müssen. So groß ist die Müdigkeit.
In meinem Kopf findet jetzt gerade nicht viel neben ihr Platz, so groß ist sie. Die Müdigkeit ist der zentrale Punkt. Das, worauf ich immer wieder zurückkomme. Und das gefällt mir nicht, ich möchte es ändern.
Aber erstmal muss ich mich ausruhen.
2011-04-02
Es macht keinen Spaß mehr.
Hat es ja eigentlich auch noch nie, diese ganze Bewältigungsscheiße.
Es ist anstrengend. Es dauert, was für eine ungeduldige Person wie mich natürlich ganz super ist. Es geht langsam voran. An manchen Tagen tut sich gar nichts - und an anderen so viel, dass man danach erstmal Ferien bräuchte.
Ferien wären überhaupt gerade mal ziemlich super. Noch besser wäre es, die Zeit anzuhalten. Und während ihr alle ein bisschen leer in der Gegend rumsteht, mach ich mal eine Woche oder zwei Ferien. Heule mir die Augen aus, esse, schlafe, wüte, weine. Irgendwie sowas. Was ganz Effektives jedenfalls.
Manchmal bin ich so müde, dass ich tot sein will. Nicht sterben, aber tot sein. Nicht Suizidgedanken, aber Todessehnsucht. Weil das Ruhe verspricht. Wäre ich tot, müsste ich nicht mehr irgendwelche vergangenen Erlebnisse, Gefühle, Versäumnisse bewältigen. Ich hätte einfach meine Ruhe vor diesem ganzen Chaos.
Keine Sorge, ich bin ohnehin nicht egoistisch genug, um mich umzubringen.
Und ich versuche, daran zu denken:
Hallo Maria, wenn es dir heute irgendwann nicht mehr gut geht, lies das hier und denk daran, dass du heute Nacht nicht tot sein wolltest.
Ja. Genau. Denk dran, Maria. Die guten Tage gibt es immer noch.
Es ist anstrengend. Es dauert, was für eine ungeduldige Person wie mich natürlich ganz super ist. Es geht langsam voran. An manchen Tagen tut sich gar nichts - und an anderen so viel, dass man danach erstmal Ferien bräuchte.
Ferien wären überhaupt gerade mal ziemlich super. Noch besser wäre es, die Zeit anzuhalten. Und während ihr alle ein bisschen leer in der Gegend rumsteht, mach ich mal eine Woche oder zwei Ferien. Heule mir die Augen aus, esse, schlafe, wüte, weine. Irgendwie sowas. Was ganz Effektives jedenfalls.
Manchmal bin ich so müde, dass ich tot sein will. Nicht sterben, aber tot sein. Nicht Suizidgedanken, aber Todessehnsucht. Weil das Ruhe verspricht. Wäre ich tot, müsste ich nicht mehr irgendwelche vergangenen Erlebnisse, Gefühle, Versäumnisse bewältigen. Ich hätte einfach meine Ruhe vor diesem ganzen Chaos.
Keine Sorge, ich bin ohnehin nicht egoistisch genug, um mich umzubringen.
Und ich versuche, daran zu denken:
Hallo Maria, wenn es dir heute irgendwann nicht mehr gut geht, lies das hier und denk daran, dass du heute Nacht nicht tot sein wolltest.
Ja. Genau. Denk dran, Maria. Die guten Tage gibt es immer noch.
2011-03-05
Mal wieder ein bisschen teilen.
Ich bin euch, aber auch mir wieder ein paar Worte schuldig. Weil es euch interessieren kann, wenn euch grad mal langweilig ist. Und weil's mir eigentlich ganz gut tut, das Schreiben, das Worteln, das Formulieren, Fokussieren, Einfangen, Festmachen.
Die Zeit jetzt gerade ist komisch. Weil ich in einer Phase bin, in der ich vorher noch nie war. Es ist irgendein Abnabelungsding und klar, das gabs vorher auch schon. Aber jetzt geht es in eine neue Runde und es passiert so schnell und teilweise so heftig, dass ich manchmal nur dasitze und staune.
Ich hatte nicht damit gerechnet. Ich hatte nicht daran gedacht.
Bisher schob ich das meiste von dem, mit dem ich so umzugehen habe, auf meinen Vater. Der war dafür verantwortlich, dass ich vor Dingen stehe, mit denen ich alleine nicht mehr klarkomme. Das ist auch ziemlich einfach, er ist krank, sieht nicht klar, ich halte ihn für unreif, bezeichne ihn als Idioten - wie konnte der auch irgendwas richtig machen. Es war so einfach, auf ihn wütend zu sein. Väter sind sowieso schwierig und schnallen nichts und meiner gab dazu noch ein ziemlich gutes Feindbild ab. Denn: Auf Leute, die einem mit ihrer Dummheit weh tun, ist man ja öfter mal wütend, das kennt man schon, da hat man Übung.
Aber bei vielen Dingen heißt es ja zurecht "dazu gehören immer zwei". Und bei einem Kind ist das auch so. Da gehören zwei zu. Ein Vater und eine Mutter. Ein Vater, der so war, dass er seinem Kind nicht gerecht wurde - aber auch eine Mutter, die vielleicht mehr da war und mehr Verantwortung übernahm, aber dennoch ihrem Kind nicht gerecht wurde.
Und das ist der Knackpunkt, für mich. Meine Mutter erstmals in das Bild miteinbeziehen. Erstmalig sehen, dass sie auch an mir schuldig geworden ist. Meine Mutter war der Elternteil, der immer da, immer präsent, immer verantwortungsvoll war. Es fällt schwer, da eine Anklage zu formulieren, einen Vorwurf auszusprechen.
Meine Mutter und ich haben viele gute, ehrliche Gespräche geführt, sie versteht sich gut mit meinen Freunden und ich mich auch meist mit ihren, wir haben Ähnlichkeiten, die mir wichtig sind, in der Trennung meine Eltern sehe ich mich nicht als ein Opfer, sondern als eine ihrer Verbündeten, ihrer Unterstützer in diesem Schritt - wie gesund das ist bzw. nicht ist, ist mir momentan noch eine Nummer zu groß, um ehrlich zu sein. Sie folgt mir auf Twitter, sie liest meinen Blog, wir sind bei Facebook befreundet, wir schreiben uns Emails und SMS.
Und noch vor wenigen Wochen hätte ich euch gesagt, dass meine Mutter und ich eine fast freundschaftliche Beziehung haben.
Aber: You live, you learn. Und was ich jetzt lerne, ist: Auch wenn das alles so... nett und okay erscheint - es ist es nicht. Was ich vorher als freundschaftlich bezeichnet hätte, ist für mich jetzt nur noch eng, zu eng. Da ist so vieles, das nicht in Ordnung ist. Da ist vieles verkehrt gelaufen. Und leider hat meine Mutter, bei aller Mühe, die sie sich gegeben hat und immer noch gibt, manches ziemlich verschissen, ums mal so umgeschminkt zu sagen.
Und... an diesen Gedanken muss ich mich noch gewöhnen.
Zur Zeit lasse ich am meisten die Wut zu. "Gefühle sind nicht richtig oder falsch, Gefühle sind." habe ich gelernt und ich beherzige es und lasse zu. Da ist meine Wut. Die ist da, die ist nicht richtig oder falsch oder ungerechtfertigt, weil meine Mutter es doch wirklich versucht hat. Nein, die ist da! Genauso wie die Verletztheit und die Trauer und der Schmerz und die Einsamkeit - das ist alles da und es ist gut so! Weil ich mich nicht rechtfertigen muss dafür, dass ich menschliche Erfahrungen mache und menschlich fühle.
Ich weiß noch nicht, wieviel ich noch aufschreiben werde von dem, was mir zur Zeit im Kopf rumschwirrt. Jetzt bin ich erstmal wieder leer.
Die Zeit jetzt gerade ist komisch. Weil ich in einer Phase bin, in der ich vorher noch nie war. Es ist irgendein Abnabelungsding und klar, das gabs vorher auch schon. Aber jetzt geht es in eine neue Runde und es passiert so schnell und teilweise so heftig, dass ich manchmal nur dasitze und staune.
Ich hatte nicht damit gerechnet. Ich hatte nicht daran gedacht.
Bisher schob ich das meiste von dem, mit dem ich so umzugehen habe, auf meinen Vater. Der war dafür verantwortlich, dass ich vor Dingen stehe, mit denen ich alleine nicht mehr klarkomme. Das ist auch ziemlich einfach, er ist krank, sieht nicht klar, ich halte ihn für unreif, bezeichne ihn als Idioten - wie konnte der auch irgendwas richtig machen. Es war so einfach, auf ihn wütend zu sein. Väter sind sowieso schwierig und schnallen nichts und meiner gab dazu noch ein ziemlich gutes Feindbild ab. Denn: Auf Leute, die einem mit ihrer Dummheit weh tun, ist man ja öfter mal wütend, das kennt man schon, da hat man Übung.
Aber bei vielen Dingen heißt es ja zurecht "dazu gehören immer zwei". Und bei einem Kind ist das auch so. Da gehören zwei zu. Ein Vater und eine Mutter. Ein Vater, der so war, dass er seinem Kind nicht gerecht wurde - aber auch eine Mutter, die vielleicht mehr da war und mehr Verantwortung übernahm, aber dennoch ihrem Kind nicht gerecht wurde.
Und das ist der Knackpunkt, für mich. Meine Mutter erstmals in das Bild miteinbeziehen. Erstmalig sehen, dass sie auch an mir schuldig geworden ist. Meine Mutter war der Elternteil, der immer da, immer präsent, immer verantwortungsvoll war. Es fällt schwer, da eine Anklage zu formulieren, einen Vorwurf auszusprechen.
Meine Mutter und ich haben viele gute, ehrliche Gespräche geführt, sie versteht sich gut mit meinen Freunden und ich mich auch meist mit ihren, wir haben Ähnlichkeiten, die mir wichtig sind, in der Trennung meine Eltern sehe ich mich nicht als ein Opfer, sondern als eine ihrer Verbündeten, ihrer Unterstützer in diesem Schritt - wie gesund das ist bzw. nicht ist, ist mir momentan noch eine Nummer zu groß, um ehrlich zu sein. Sie folgt mir auf Twitter, sie liest meinen Blog, wir sind bei Facebook befreundet, wir schreiben uns Emails und SMS.
Und noch vor wenigen Wochen hätte ich euch gesagt, dass meine Mutter und ich eine fast freundschaftliche Beziehung haben.
Aber: You live, you learn. Und was ich jetzt lerne, ist: Auch wenn das alles so... nett und okay erscheint - es ist es nicht. Was ich vorher als freundschaftlich bezeichnet hätte, ist für mich jetzt nur noch eng, zu eng. Da ist so vieles, das nicht in Ordnung ist. Da ist vieles verkehrt gelaufen. Und leider hat meine Mutter, bei aller Mühe, die sie sich gegeben hat und immer noch gibt, manches ziemlich verschissen, ums mal so umgeschminkt zu sagen.
Und... an diesen Gedanken muss ich mich noch gewöhnen.
Zur Zeit lasse ich am meisten die Wut zu. "Gefühle sind nicht richtig oder falsch, Gefühle sind." habe ich gelernt und ich beherzige es und lasse zu. Da ist meine Wut. Die ist da, die ist nicht richtig oder falsch oder ungerechtfertigt, weil meine Mutter es doch wirklich versucht hat. Nein, die ist da! Genauso wie die Verletztheit und die Trauer und der Schmerz und die Einsamkeit - das ist alles da und es ist gut so! Weil ich mich nicht rechtfertigen muss dafür, dass ich menschliche Erfahrungen mache und menschlich fühle.
Ich weiß noch nicht, wieviel ich noch aufschreiben werde von dem, was mir zur Zeit im Kopf rumschwirrt. Jetzt bin ich erstmal wieder leer.
2011-02-12
Das hier ist sowas wie ein Brief.
Liebe Menschen, denen ich was bedeute und die mir auch was bedeuten.
Eigentlich teile ich (fast) alles mit euch. Ihr und ich, wir sind offen zueinander, wir sind ehrlich und machen uns deutlich weniger vor als dem Rest der Welt.
Aber jetzt gerade sitze ich hier und heule und ich kann es euch nicht sagen, weil ich zu sehr an euch denke und zu wenig an mich, weil ich fürchte, dass ich jemandem den Abend versaue, wenn ich sage, dass ich grad weine und doch bitte mal was getan werden soll. Ihr könnt doch eh nichts tun, ihr seid irgendwo, jedenfalls nicht hier, um mich in den Arm zu nehmen. Und dann sitze ich hier und bin trotzdem einsam und ihr sitzt da und wünscht, ihr könntet mehr tun.
Also sitze ich hier. Und fühle mich einsam. Und der Umstand, dass ich euch nichts sage, weil ich euch nicht runterreißen will, führt dazu, dass ich mich noch einsamer und beschissener fühle und eigentlich jemandem was sagen soll und will, aber ich will niemandem die Laune verderben, nur, ich fühle mich so sterbenseinsam … und in dieser Abwärtsspirale der Einsamkeit falle ich einfach weiter nach unten. Bis auch dieser hysterische Anfall vorbei ist und ich euch dann auch nicht mehr belästigen muss, weil's mir wieder besser geht und all die Aufregung sowieso umsonst wäre. Aber bis dahin sitze ich noch ein bisschen hier und bin einsam und frage mich, WAS ZUR HÖLLE GESCHEHEN MUSS, damit diese Scheiße aufhört. Wann ich endlich schnalle, dass ich euch nerven darf mit "hilf mir bitte mal".
Denn das wäre doch theoretisch der Durchbruch, oder? Losgehen, endlich mal LOSGEHEN und "HILF MIR" sagen. Endlich mal das alte Verhaltensmuster durchbrechen.
Liebe Grüße,
Maria
(die euch wirklich mag und euch wirklich vertraut, es nur nicht so gut zeigen kann.)
Eigentlich teile ich (fast) alles mit euch. Ihr und ich, wir sind offen zueinander, wir sind ehrlich und machen uns deutlich weniger vor als dem Rest der Welt.
Aber jetzt gerade sitze ich hier und heule und ich kann es euch nicht sagen, weil ich zu sehr an euch denke und zu wenig an mich, weil ich fürchte, dass ich jemandem den Abend versaue, wenn ich sage, dass ich grad weine und doch bitte mal was getan werden soll. Ihr könnt doch eh nichts tun, ihr seid irgendwo, jedenfalls nicht hier, um mich in den Arm zu nehmen. Und dann sitze ich hier und bin trotzdem einsam und ihr sitzt da und wünscht, ihr könntet mehr tun.
Also sitze ich hier. Und fühle mich einsam. Und der Umstand, dass ich euch nichts sage, weil ich euch nicht runterreißen will, führt dazu, dass ich mich noch einsamer und beschissener fühle und eigentlich jemandem was sagen soll und will, aber ich will niemandem die Laune verderben, nur, ich fühle mich so sterbenseinsam … und in dieser Abwärtsspirale der Einsamkeit falle ich einfach weiter nach unten. Bis auch dieser hysterische Anfall vorbei ist und ich euch dann auch nicht mehr belästigen muss, weil's mir wieder besser geht und all die Aufregung sowieso umsonst wäre. Aber bis dahin sitze ich noch ein bisschen hier und bin einsam und frage mich, WAS ZUR HÖLLE GESCHEHEN MUSS, damit diese Scheiße aufhört. Wann ich endlich schnalle, dass ich euch nerven darf mit "hilf mir bitte mal".
Denn das wäre doch theoretisch der Durchbruch, oder? Losgehen, endlich mal LOSGEHEN und "HILF MIR" sagen. Endlich mal das alte Verhaltensmuster durchbrechen.
Liebe Grüße,
Maria
(die euch wirklich mag und euch wirklich vertraut, es nur nicht so gut zeigen kann.)
2011-01-30
"Papa"
In dem vorherigen Post habe ich so oft "Papa" geschrieben, dass mir schlecht wird. Bei jedem "Papa" dreht sich der Magen noch ein bisschen weiter.
Ich hasse das. Dass ich dieses Wort nicht mehr einfach so denken oder fühlen oder sagen kann. Das ist ein Wort, das immer normal war. Ich bin damit aufgewachsen. Er war immer "Papa", nie "Vater".
Und jetzt passt mir das Wort nicht mehr und tut weh und mir wird schlecht, weil alles, was mit ihm zu tun hat, weh tut. Jetzt, wo er nicht mehr mein toller Papa ist. Sondern nur noch mein Vater, leider dumm und ohne Verständnis für irgendwas, was geschieht. Nur noch der Typ, der mich und meine Schwestern gezeugt hat und ansonsten so viel mehr vergeigt als richtig gemacht hat. Der Typ, der mir immer wichtiger war als ich ihm. Die erste und bislang längste unausgewogene Beziehung meines Lebens.
Ich hab nicht gewusst, dass ich irgendwann verstehen würde, warum Kinder ihre Eltern nicht mehr einfach nur lieben, sondern wütend sind und enttäuscht und verletzt.
Ich vermisse den Papa, den ich toll finden konnte und auf den ich nicht wütend war. Ich vermisse den Papa, von dem ich glaubte, dass er auch noch und erst recht toll sein würde, wenn ich erwachsen wäre. Ich vermisse den Papa, von dem ich glauben konnte, dass er mich lieb hat.
Wirklich. Du fehlst mir. Auch wenn es dich ja so nicht wirklich gab, sondern ich damals einfach nur noch nichts verstanden habe.
Ich hasse das. Dass ich dieses Wort nicht mehr einfach so denken oder fühlen oder sagen kann. Das ist ein Wort, das immer normal war. Ich bin damit aufgewachsen. Er war immer "Papa", nie "Vater".
Und jetzt passt mir das Wort nicht mehr und tut weh und mir wird schlecht, weil alles, was mit ihm zu tun hat, weh tut. Jetzt, wo er nicht mehr mein toller Papa ist. Sondern nur noch mein Vater, leider dumm und ohne Verständnis für irgendwas, was geschieht. Nur noch der Typ, der mich und meine Schwestern gezeugt hat und ansonsten so viel mehr vergeigt als richtig gemacht hat. Der Typ, der mir immer wichtiger war als ich ihm. Die erste und bislang längste unausgewogene Beziehung meines Lebens.
Ich hab nicht gewusst, dass ich irgendwann verstehen würde, warum Kinder ihre Eltern nicht mehr einfach nur lieben, sondern wütend sind und enttäuscht und verletzt.
Ich vermisse den Papa, den ich toll finden konnte und auf den ich nicht wütend war. Ich vermisse den Papa, von dem ich glaubte, dass er auch noch und erst recht toll sein würde, wenn ich erwachsen wäre. Ich vermisse den Papa, von dem ich glauben konnte, dass er mich lieb hat.
Wirklich. Du fehlst mir. Auch wenn es dich ja so nicht wirklich gab, sondern ich damals einfach nur noch nichts verstanden habe.
2011-01-29
Eine Klärung der daddy issues könnte auch die Frage klären, wo "mutig" aufhört und "nuttig" anfängt.
Erstmalig erkläre ich einen Tweet. Na dann, auf geht's.
Soll folgendes sagen:
Ich, als sich irgendwie beschädigtes fühlendes daddy-issues-girl, darf mich gleichzeitig auch noch stolze Besitzerin ausgewachsener self-esteem-issues nennen. Minderwertigkeitskomplexe hooray.
Das war die Kurzfassung. Jetzt mal auseinandergenommen:
Warum schiebe ich das auf meinen Vater? Weil der die Aufgabe gehabt hätte, mich stark zu machen, mich zu bestätigen, mir Aufmerksamkeit und Lob für das zu geben, was ich leiste.
Verdammt, ich hatte in meinem Zimmer Gedichte auf meiner Tapete stehen, selbstgeschriebene Gedichte, mit Bleistift auf der verdammten Wand. Und der Idiot hat nicht einmal was dazu gesagt. Nicht ein einziges Mal. Er hat mir einen ganzen Sommer lang einen Kleiderschrank in mein Zimmer gebaut, war jeden Tag in meinem Zimmer mit den vollgeschriebenen Wänden. Und nicht ein einziges Mal ein "Hast du das alles selbst geschrieben? Find ich toll" oder auch nur ein stehenbleiben und aufmerksam lesen, was da steht. Kein einziges Mal.
Und so ging das ja nicht nur diesen Sommer. Sondern immer, mein ganzes Leben. Mein Vater hat mich nicht geschlagen oder missbraucht, aber er hielt es nicht für nötig, Interesse zu zeigen. Für keine von uns. Wie der erfahrene Küchenpsychologe weiß, ist der Vater für die Tochter das erste männliche Gegenüber. Klar. Mama liebt mich immer, ich war ja auch mal in ihrem Uterus und überhaupt, Mutter-Kind-Bindung-blah. Mein Vater hingegen hat mich nicht geboren oder gestillt oder was auch immer. In der Tierwelt fressen manche Väter ihre Jungen, daran muss ich immer denken. Mutterliebe erscheint mir irgendwie selbstverständlicher als Vaterliebe.
Also. Zurück zu dem, was ich sagen wollte. Ein Vater sollte seinem Kind Bestätigung geben. Für die Tochter heißt das, dass sie durch ihren Vater lernt, dass sie Wert hat. Sie, als Frau, hat Wert. Und dass ihr Wert gesehen, bemerkt wird. Wenn Papa sagt "du bist schön", braucht es ein bisschen mehr als nur einen dummen Jungen, um dem Mädchen was anderes zu erzählen. "Mein Papa findet mich schön. Ich bin schön. Und wer was anderes sagt, hat im Gegensatz zu meinem Papa keine Ahnung."
Aber wie ist das nun, wenn Papa nichts merkt. "Papa, ich war beim Friseur." "Papa, ich hab neue Klamotten an, guck mal." "Papa, ich hab ein Abendkleid an, guck mal." "Papa, ich kann tolle Gedichte schreiben. Es stehen auch welche an meiner Tapete, guck mal." "Papa, ich hab Akne, bin ich so schlimm hässlich, wie es sich anfühlt?"
Äh. Papa guckt auf seinen Computerbildschirm oder macht Mittagsschlaf und befindet es nicht für nötig, Interesse zu zeigen, einfach mal hinzugucken, wie es dem Kind geht, was es macht. Deswegen muss man ihm alle diese Sachen extra sagen. Wo andere Väter sagen, was für eine schöne, schlaue, tolle Tochter sie haben, muss ich meinen Vater erst darauf hinweisen, dass ich überhaupt da bin. Ansonsten ist der PC oder die Welt da draußen oder weiß der Geier was einfach interessanter.
Und was ist das jetzt mit "mutig oder nuttig"?
Das weiß ich halt nicht, ehrlich gesagt. Rede ich gerne über meine Brüste, weil ich tatsächlich finde, dass ich darüber reden darf und weil ich das auch will? Oder weil sich dann andere Menschen freuen und mich mögen? Andere Mädchen steigen mit jedem Typen ins Bett, weil sie hoffen, so Bestätigung zu bekommen, die Papa ihnen nicht gegeben hat. Nun, so schlimm ist es mit mir nicht, ich wäre für sowas auch viel zu unsicher, aber ich habe andere Aufmerksamkeitsbeschaffungsmaßnahmen. Und wenn ich über meine Brüste oder Mumu-Tweets twittere oder über meine Brüste rede oder weit ausgeschnittene Sachen trage oder kokettiere oder WAS ZUM KUCKUCK AUCH IMMER, dann weiß ich manchmal selbst nicht, was das eigentlich soll. Will ich das, weil ich das lustig finde und es mir Spaß macht? Mach ich das für mich? Das wäre mutig, in einer bestimmten Art und Weise, es wäre ein "ich mach was ich will, wie ich es will".
Oooooder... mach ich das, weil es die Möglichkeit bietet, dass andere mich mögen? Jeder mag Brüste. Wenn ich offenherzig (haha) mit meinen umgehe, wird das doch auch gemocht.
Aha.
Also, ich erkenne die Grenze nicht. Ich weiß nicht, wann ich mutig bin und wann nuttig. Ich weiß nicht, wie weit ich für wen gehe.
Aber ich schieb's auf meinen Vater. "Papa", du hättest da sein sollen und mir beibringen sollen, dass ich etwas wert bin. Dass ich nicht minderwertig bin. Dass es nicht mein Weltbild erschüttern muss, wenn man mich für etwas lobt. Aber jedes Mal, wenn ich für etwas gelobt werde, bringt mich das aus dem Konzept. Weil das nicht richtig erscheint. Ich kann nicht schön sein. Sonst hättest du mir das doch beigebracht, oder? Du hättest mich doch wissen lassen, dass ich schön bin und dass ich wert bin. Aber du hast mir das nicht beigebracht. Und deshalb kann's auch nicht stimmen. Die anderen mit ihren Komplimenten müssen sich irren. Oder sie wollen mich verarschen, die Ficker, sowas gemeines.
Ich bin mir sicher, dass mein Vater nicht absichtlich so ein Vollidiot ist. Da kann er (fast) nichts für. Er dachte halt, einmal abspritzen und der Rest ergibt sich von allein. Tja, das war leider ein Irrtum.
Aber auch das lehrt. "Papa", dank dir weiß ich, dass Männer, alle, bis auf die wenigen wertvollen Ausnahmen, schwach sind und unzuverlässig. Dass sie nicht nachdenken über das, was sie tun. Dass sie egoistisch sind und frau am besten lesbisch sein sollte, weil Männer Menschen zweiter Klasse sind, mit denen man nur Ärger hat. Danke, "Papa". Was würde ich nur ohne dieses Wissen tun.
(Vielleicht beziehungsfähig sein, zum Beispiel.)
Und irgendwann erzähl ich euch noch, dass ich nicht nur den Unterschied zwischen "nuttig - mutig" nicht genau weiß, sondern auch mit dem Unterschied zwischen "ich liebe jemanden, weil er toll ist" und "ich liebe jemanden, weil er mich toll findet" Schwierigkeiten habe.
Eine Klärung der daddy issues könnte auch die Frage klären, wo "mutig" aufhört und "nuttig" anfängt.
Soll folgendes sagen:
Ich, als sich irgendwie beschädigtes fühlendes daddy-issues-girl, darf mich gleichzeitig auch noch stolze Besitzerin ausgewachsener self-esteem-issues nennen. Minderwertigkeitskomplexe hooray.
Das war die Kurzfassung. Jetzt mal auseinandergenommen:
Warum schiebe ich das auf meinen Vater? Weil der die Aufgabe gehabt hätte, mich stark zu machen, mich zu bestätigen, mir Aufmerksamkeit und Lob für das zu geben, was ich leiste.
Verdammt, ich hatte in meinem Zimmer Gedichte auf meiner Tapete stehen, selbstgeschriebene Gedichte, mit Bleistift auf der verdammten Wand. Und der Idiot hat nicht einmal was dazu gesagt. Nicht ein einziges Mal. Er hat mir einen ganzen Sommer lang einen Kleiderschrank in mein Zimmer gebaut, war jeden Tag in meinem Zimmer mit den vollgeschriebenen Wänden. Und nicht ein einziges Mal ein "Hast du das alles selbst geschrieben? Find ich toll" oder auch nur ein stehenbleiben und aufmerksam lesen, was da steht. Kein einziges Mal.
Und so ging das ja nicht nur diesen Sommer. Sondern immer, mein ganzes Leben. Mein Vater hat mich nicht geschlagen oder missbraucht, aber er hielt es nicht für nötig, Interesse zu zeigen. Für keine von uns. Wie der erfahrene Küchenpsychologe weiß, ist der Vater für die Tochter das erste männliche Gegenüber. Klar. Mama liebt mich immer, ich war ja auch mal in ihrem Uterus und überhaupt, Mutter-Kind-Bindung-blah. Mein Vater hingegen hat mich nicht geboren oder gestillt oder was auch immer. In der Tierwelt fressen manche Väter ihre Jungen, daran muss ich immer denken. Mutterliebe erscheint mir irgendwie selbstverständlicher als Vaterliebe.
Also. Zurück zu dem, was ich sagen wollte. Ein Vater sollte seinem Kind Bestätigung geben. Für die Tochter heißt das, dass sie durch ihren Vater lernt, dass sie Wert hat. Sie, als Frau, hat Wert. Und dass ihr Wert gesehen, bemerkt wird. Wenn Papa sagt "du bist schön", braucht es ein bisschen mehr als nur einen dummen Jungen, um dem Mädchen was anderes zu erzählen. "Mein Papa findet mich schön. Ich bin schön. Und wer was anderes sagt, hat im Gegensatz zu meinem Papa keine Ahnung."
Aber wie ist das nun, wenn Papa nichts merkt. "Papa, ich war beim Friseur." "Papa, ich hab neue Klamotten an, guck mal." "Papa, ich hab ein Abendkleid an, guck mal." "Papa, ich kann tolle Gedichte schreiben. Es stehen auch welche an meiner Tapete, guck mal." "Papa, ich hab Akne, bin ich so schlimm hässlich, wie es sich anfühlt?"
Äh. Papa guckt auf seinen Computerbildschirm oder macht Mittagsschlaf und befindet es nicht für nötig, Interesse zu zeigen, einfach mal hinzugucken, wie es dem Kind geht, was es macht. Deswegen muss man ihm alle diese Sachen extra sagen. Wo andere Väter sagen, was für eine schöne, schlaue, tolle Tochter sie haben, muss ich meinen Vater erst darauf hinweisen, dass ich überhaupt da bin. Ansonsten ist der PC oder die Welt da draußen oder weiß der Geier was einfach interessanter.
Und was ist das jetzt mit "mutig oder nuttig"?
Das weiß ich halt nicht, ehrlich gesagt. Rede ich gerne über meine Brüste, weil ich tatsächlich finde, dass ich darüber reden darf und weil ich das auch will? Oder weil sich dann andere Menschen freuen und mich mögen? Andere Mädchen steigen mit jedem Typen ins Bett, weil sie hoffen, so Bestätigung zu bekommen, die Papa ihnen nicht gegeben hat. Nun, so schlimm ist es mit mir nicht, ich wäre für sowas auch viel zu unsicher, aber ich habe andere Aufmerksamkeitsbeschaffungsmaßnahmen. Und wenn ich über meine Brüste oder Mumu-Tweets twittere oder über meine Brüste rede oder weit ausgeschnittene Sachen trage oder kokettiere oder WAS ZUM KUCKUCK AUCH IMMER, dann weiß ich manchmal selbst nicht, was das eigentlich soll. Will ich das, weil ich das lustig finde und es mir Spaß macht? Mach ich das für mich? Das wäre mutig, in einer bestimmten Art und Weise, es wäre ein "ich mach was ich will, wie ich es will".
Oooooder... mach ich das, weil es die Möglichkeit bietet, dass andere mich mögen? Jeder mag Brüste. Wenn ich offenherzig (haha) mit meinen umgehe, wird das doch auch gemocht.
Aha.
Also, ich erkenne die Grenze nicht. Ich weiß nicht, wann ich mutig bin und wann nuttig. Ich weiß nicht, wie weit ich für wen gehe.
Aber ich schieb's auf meinen Vater. "Papa", du hättest da sein sollen und mir beibringen sollen, dass ich etwas wert bin. Dass ich nicht minderwertig bin. Dass es nicht mein Weltbild erschüttern muss, wenn man mich für etwas lobt. Aber jedes Mal, wenn ich für etwas gelobt werde, bringt mich das aus dem Konzept. Weil das nicht richtig erscheint. Ich kann nicht schön sein. Sonst hättest du mir das doch beigebracht, oder? Du hättest mich doch wissen lassen, dass ich schön bin und dass ich wert bin. Aber du hast mir das nicht beigebracht. Und deshalb kann's auch nicht stimmen. Die anderen mit ihren Komplimenten müssen sich irren. Oder sie wollen mich verarschen, die Ficker, sowas gemeines.
Ich bin mir sicher, dass mein Vater nicht absichtlich so ein Vollidiot ist. Da kann er (fast) nichts für. Er dachte halt, einmal abspritzen und der Rest ergibt sich von allein. Tja, das war leider ein Irrtum.
Aber auch das lehrt. "Papa", dank dir weiß ich, dass Männer, alle, bis auf die wenigen wertvollen Ausnahmen, schwach sind und unzuverlässig. Dass sie nicht nachdenken über das, was sie tun. Dass sie egoistisch sind und frau am besten lesbisch sein sollte, weil Männer Menschen zweiter Klasse sind, mit denen man nur Ärger hat. Danke, "Papa". Was würde ich nur ohne dieses Wissen tun.
(Vielleicht beziehungsfähig sein, zum Beispiel.)
Und irgendwann erzähl ich euch noch, dass ich nicht nur den Unterschied zwischen "nuttig - mutig" nicht genau weiß, sondern auch mit dem Unterschied zwischen "ich liebe jemanden, weil er toll ist" und "ich liebe jemanden, weil er mich toll findet" Schwierigkeiten habe.
2011-01-16
Der Zyniker und was er für mich tut.
In den letzten Tagen habe ich viel über den Zyniker nachgedacht, über den ich ja so geschimpft habe. Mein Zyniker, innendrin.
Neulich, da hab ich den Zyniker mal beiseite geschoben. Ich hab gefühlt und als der Zyniker schon hämisch anfing zu grinsen, die Arme verschränkte und Luft holte, um mir zu erklären, dass jeder leidet und ich selber schuld bin, wenn ich dran denke, hab ich ihn beiseite geschoben. Ich hab ihn nicht angebrüllt, ich war nicht wütend - ich war einfach besser. Überlegen. Und ich hab mir ins Gedächtnis gerufen, was ich erkenne und lerne: Mein Schmerz ist das, was zählt. Weil das das ist, was ich fühlen kann, nur ich, nur ich. Nicht relativieren, relativieren hilft nicht und ist unberechtigt. Ja, auch andere leiden und leben trotzdem. Und manche denken nichtmal drüber nach. Aber die können das, weil sie sind, wie sie sind und ich kann das nicht, weil ich bin, wie ich bin. Und wenn ich mir mal erlaube, die falsch anrührende Musik zu hören, dann ist das keine gezielte emotionale Manipulation, weil ich heulen will. Und wenn ich mir mal erlaube, an den Schmerz zu denken, dann ist das kein in Selbstmitleid baden. Man kann nicht die ganze Zeit verdrängen. Vor allem das alles nicht und vor allem ich nicht.
Und der Zyniker hat die Klappe gehalten. Irgendwann musste ich ihm nichts mehr sagen. Weil dann alles von alleine kam. Die Erkenntnisse über das sich geteilt fühlen. Andere würden sagen, ich habe meine Mitte verloren. Ja. Ich bin in mir geteilt und finde kein Maß mehr. Jeder soll sich hinterfragen - aber ich hinterfrage mich in ungesundem Maße.
Wie meine Nachforschungen in mir selbst, das Kramen in Erinnerungen und alten Gefühlsklamotten offenbarten, bin ich so geteilt, seit ich 11 oder 12 Jahre alt bin. Seitdem versuche ich mich vor etwas, das nur ein Teil von mir ist, zu rechtfertigen, und verliere. Das ist krank, das ist nervig. Und das ist seltsam.
Hallo, mein innerer Zyniker. So lange bist du also schon bei mir. Das hab ich gar nicht mitbekommen.
Du bist nämlich mitgewachsen, du hast dich angepasst, hast dir neue Aspekte dazugesucht, wie es gerade für mich passte. Ganz zu Anfang, als du erstmals da warst, warst du "der Pharisäer". So hab ich dich damals genannt, weil mir kein besserer Name einfiel zu dem Teil in meinem Kopf, der mir ständig Vorhaltungen machte. Wenn ich nachdachte, in meinem Kopf irgendeine Meinung zu etwas diskutierte, kamst du und nanntest mich "scheinheilig". Hast meine Gedanken angezweifelt und hinterfragt, wieder und wieder. Ich war verwirrt. Wenn ich über etwas traurig war, warfst du mir zuerst vor, dass ich ja nur dieses Gefühl genieße. Weils intensiv war, weils gefühlt war. Wenn ich dann einsah, dass das stimmen könnte, warfst du mir vor, ich wäre scheinheilig, weil ich um mein Genießen wüsste und trotzdem so fühlte. Und weil du ständig deine Positionen wechseltest, weil ich es dir nicht recht machen konnte, nannte ich dich "Pharisäer" - warum hast du mein Verhalten so sehr beurteilt, statt dir dein eigenes anzugucken? Meiner Meinung nach war das Pharisäer-Verhalten. Den Splitter im Auge des anderen sehen, aber den Mammutbaum im eigenen Auge unberührt lassen.
Später wurdest du anders. Ich hab dich nicht mehr "Pharisäer" genannt, ich habe sogar fast vergessen, dass es da mal einen Pharisäer in meinem Kopf gab. Du warst der kleine Teil in meinem Kopf. Es gab Momente, da konnte ich dich fast lokalisieren, wie Kopfschmerzen; hätte ich keine Haare und einen Edding gehabt, hätte ich dich manchmal auf meinem Schädel einzeichnen können. Du hast aus allem eine Geschichte gemacht.
Das war die Zeit, in der ich das erste Mal bewusst entdeckte, dass ich auch was kann, abgesehen von mir Witze merken. Ich konnte vielleicht nicht so toll singen wie meine Schwester - aber ich mochte Worte und konnte gut mit ihnen. Wenn ich Geschichten schrieb, hab ich Lob bekommen - so wie sie, wenn sie sang.
Und du warst wie ein Autor in meinem Kopf. Aber du hast keine eigenen Geschichten geschrieben. Ich glaube, du hast mir nicht mal sonderlich geholfen, wenn ich welche schrieb. Was du gemacht hast, war kommentieren. Und zwar mein Leben. Du hast alles so formuliert, dass ich das Gefühl hatte, ein Manuskript oder Notizen zu lesen. Du warst manchmal fast die Stimme aus dem Off. Ich kam mir so blöd vor, wenn ich normal vor mich hindachte oder fühlte, wie mensch das so tut und auf einmal die Stimme aus dem Off meine Gedanken druckfertig formulierte und ich mir dadurch pathetisch fühlte, weil ich doch etwas fühlte, aber nebenbei noch in der Lage war, es so zu formulieren, dass es möglichst beeindruckt. Das war geteilt, das war doch nicht ganz. Dabei soll man bei manchem konzentriert, dabei sein, ganz sein. Bei (manchen) Gefühlen, zum Beispiel. Aber ich konzentrierte mich nicht, ich war nicht ganz, weil du ja auch noch redetest und ich dir zuhörte.
Wenn ich weinte, hast du das so ausgedrückt, wie es in einem Buch stehen würde. Ich kann nicht mal Beispiele formulieren, weil mich das heute noch beschämt und verwirrt, wie es mich damals schon verwirrt und beschämt hat. Aber du hast nicht aufgehört.
Wenn ich Leuten erzählt habe oder heute noch erzähle, dass da in meinem Kopf ein Kommentator sitzt, ein Teil meines Kopfes, der immer anders denkt als ich, dann haben mich manche angeguckt wie... nun ja, ich wusste, dass das verrückt klang.
Du warst sogar noch da, als irgendwann in den letzten Jahren die Überlegung da war, ob ich vielleicht den familiären Hang zu Depressionen hatte? Du hast da gesessen und mir vor Augen gehalten, dass mich das doch freuen müsste, schließlich steigert Leiden die Kreativität und das ist doch wunderbar. (Und hätte ich dir auch noch zugestimmt, hättest du mich fertig gemacht. Für meinen Pathos und meine Dummheit.)
Und jetzt? Jetzt bist du der Zyniker. Du formulierst mein Leben nicht mehr zu einem Buch, sondern wir führen Gespräche. Beziehungsweise setzt du mir deine Standpunkte vor. Lässt mich nicht aus den Augen, "Maria, benimm dich gefälligst! Reiß dich zusammen und sei nicht so wehleidig, das ist ja zum Kotzen!"
Ja, genau, Maria. Hör damit auf. Meinst du wirklich, die anderen wollen wissen, wenn und warum es dir schlecht geht? Glaubst du nicht, dass die genug mit sich selbst haben? Und du weißt doch, dass das auch wieder vorbei geht und man sich wieder besser fühlt. Morgen ist schon wieder ein besserer Tag und dann ist das hier schon wieder weit weg. Warum also jetzt so ein Drama machen und andere darin einbeziehen? Warum also jemanden behelligen, noch dazu, wenn dieser Jemand nichts daran ändern kann. Es ist deins, krieg du das klar. Sei doch mal selbstständig, krieg doch mal was hin. Winsel nicht rum. Heul nicht rum, das hilft keinem, dir am allerwenigsten, und die anderen stört es. Nimm doch bitte mal Rücksicht und sei nicht so elendig.
Aha. Und wer sagt das? Du. In mir drinnen. Eigentlich solltest du ganz leise sein. Du bist nicht mal jemand. Du bist nur ich.
Wäre es nach dir gegangen, ginge es jemals ganz nach dir, würde ich nicht fühlen. Hätte den Gefühlen schon vor Jahren abgeschworen und würde die meiste Zeit verächtlich auf alle anderen herabsehen, nicht, weil ich besser sei, sondern weil ich meine Armseligkeit als Mensch besser durchschaut hätte als sie die ihre.
Und ich predige Authentizität und all diesen Kram, der damit zu tun hat, so natürlich und selbst zu sein wie's geht - und bin es selbst nicht. Weil ich so geteilt bin.
Weil du da bist, du, und mich so uneins mit mir selbst machst.
Wegen dir klappt das nicht. Ich stehe nicht zu meinen Gefühlen, nicht mal vor mir selbst. Ahahaha, sehr bitter.
_____________________________________________________________
Und jetzt mal wieder weg vom persönlichen Gespräch mit dem Zyniker und zurück zum eigentlichen Thema: Was tut der Zyniker für mich?
Er schützt mich. Vor allem, was weh tut. Er hält es von mir weg, lenkt mich davon ab, lässt mich nicht dran denken. Indem er es lächerlich macht und mich so darin verunsichert. Ich stelle erst jetzt, wo ich mir den Zyniker so gut angucke, fest, wie oft ich einfach in einem Gedanken gestoppt habe, etwas nicht weiter gedacht habe, weil es zu sehr weh getan hätte.
Das hat es dann stattdessen am Donnerstag. Als ich den Zyniker in die Ferien schickte. Ihm sagte, dass er die Klappe halten solle. Was er dann ja auch tat. Und dann war er erstmal nicht mehr da, sondern in den Ferien. (Forrest Gumps Mutter sagt immer, Forrests Vater sei in den Ferien.) Ich saß also im Bus und dachte nach, weil ich ja sonst nichts kann, stimmte dem Zyniker nicht zu, verbot ihm den Mund. Ließ nicht zu, dass er meinen Schmerz und meine Beschädigung relativiert.
Und dann sitzt du plötzlich im Bus und weinst, ganz leise, um die anderen nicht zu stören, weil plötzlich alles weh tut und es ist egal, wo du hinschaust in deiner Seelenlandschaft ist überall immer irgendwas kaputt, irgendwas nicht in Ordnung und alles Wüste. Und dann überlegst du, aus dem Bus auszusteigen, um die anderen nicht zu belästigen, aber nein, das geht noch, nachhause gehts noch und da ist dann mein Zimmer, da bin ich sicher, da ist niemand, da kanns raus ohne dass irgendwer es bescheuert lächerlich pathetisch findet. Aber dann, zuhause, gehts gar nicht mehr bis nach zuhause. Denn sobald du in den kleinen Weg eingebogen bist, keine Menschen mehr da sind, die dich sehen und ÜBER DICH URTEILEN können, geht nichts mehr, halten die Dämme nicht mehr und überhaupt nichts hält mehr. Ab an die Weser, an den Menschen mit ihren Hunden vorbei, gucken dass keiner mehr da ist und dann alles in den Fluss schreien und heulen und wüten. Eine Viertelstunde lang. Bis schließlich der Schäferhund nach mir gucken kommt, meine Hand anstupst und dann erstmal ungestört aus dem Fluss trinkt, bei mir nochmal nach dem Rechten schaut und schließlich mit seinem Menschen weitergeht. Und dann ist das nur noch die posthysterische Leere. Nachhause gehen. Den Kopf beschämt (obwohl ich doch nicht mehr beschämt sein will) nach unten senken, wenn man an Menschen vorbei geht. Hoffen, dass man zuhause keinem über den Weg läuft. Zuhause keinem über den Weg laufen. In den Badezimmerspiegel gucken und angesichts des verheulten Etwas dort erschrecken. Schnell hoch ins Zimmer, ab aufs Bett, durchatmen, ungeplant zwei Stunden schlafen. Rest des Abends überleben in der geschafften Stimmung, die auf neue Erkenntnisse folgt.
Und das Krasse ist diese Erkenntnis: Ach so. Der innere Zyniker ist ein Selbstschutz. (Ja, da hätte der erfahrene Küchenpsychologe drauf kommen können, aber bei sich selbst funktioniert das ja eher nicht so.) Der innere Zyniker ist also ein Selbstschutz. Und wenn ich ihn weglasse, bin ich am Arsch, wenn ich ihn zum Schweigen bringe, bin ich am Arsch, sollte er irgendwann nicht mehr funktionieren, werde ich am Arsch sein.
Aber so soll das doch nicht sein.
Ich freue mich auf das Gleichgewicht, das eine Therapie hoffentlich mitherbeiführen kann. Den Zyniker jetzt in seiner guten, für mich helfenden Position zu sehen, ist ein Anfang. Ist ein erster Schritt zum Gleichgewicht, das merke ich.
Er ist nicht mehr nur ein feindlicher Teil von mir, etwas in mir, dass mich nicht versteht und dass ich immer aus mir raus haben wollte. Er will mich schützen. Er will mir helfen. Er will mir Gutes, er geht es nur leider falsch an.
Aber er ist etwas von mir. Und nicht mehr so schrecklich fremd.
Neulich, da hab ich den Zyniker mal beiseite geschoben. Ich hab gefühlt und als der Zyniker schon hämisch anfing zu grinsen, die Arme verschränkte und Luft holte, um mir zu erklären, dass jeder leidet und ich selber schuld bin, wenn ich dran denke, hab ich ihn beiseite geschoben. Ich hab ihn nicht angebrüllt, ich war nicht wütend - ich war einfach besser. Überlegen. Und ich hab mir ins Gedächtnis gerufen, was ich erkenne und lerne: Mein Schmerz ist das, was zählt. Weil das das ist, was ich fühlen kann, nur ich, nur ich. Nicht relativieren, relativieren hilft nicht und ist unberechtigt. Ja, auch andere leiden und leben trotzdem. Und manche denken nichtmal drüber nach. Aber die können das, weil sie sind, wie sie sind und ich kann das nicht, weil ich bin, wie ich bin. Und wenn ich mir mal erlaube, die falsch anrührende Musik zu hören, dann ist das keine gezielte emotionale Manipulation, weil ich heulen will. Und wenn ich mir mal erlaube, an den Schmerz zu denken, dann ist das kein in Selbstmitleid baden. Man kann nicht die ganze Zeit verdrängen. Vor allem das alles nicht und vor allem ich nicht.
Und der Zyniker hat die Klappe gehalten. Irgendwann musste ich ihm nichts mehr sagen. Weil dann alles von alleine kam. Die Erkenntnisse über das sich geteilt fühlen. Andere würden sagen, ich habe meine Mitte verloren. Ja. Ich bin in mir geteilt und finde kein Maß mehr. Jeder soll sich hinterfragen - aber ich hinterfrage mich in ungesundem Maße.
Wie meine Nachforschungen in mir selbst, das Kramen in Erinnerungen und alten Gefühlsklamotten offenbarten, bin ich so geteilt, seit ich 11 oder 12 Jahre alt bin. Seitdem versuche ich mich vor etwas, das nur ein Teil von mir ist, zu rechtfertigen, und verliere. Das ist krank, das ist nervig. Und das ist seltsam.
Hallo, mein innerer Zyniker. So lange bist du also schon bei mir. Das hab ich gar nicht mitbekommen.
Du bist nämlich mitgewachsen, du hast dich angepasst, hast dir neue Aspekte dazugesucht, wie es gerade für mich passte. Ganz zu Anfang, als du erstmals da warst, warst du "der Pharisäer". So hab ich dich damals genannt, weil mir kein besserer Name einfiel zu dem Teil in meinem Kopf, der mir ständig Vorhaltungen machte. Wenn ich nachdachte, in meinem Kopf irgendeine Meinung zu etwas diskutierte, kamst du und nanntest mich "scheinheilig". Hast meine Gedanken angezweifelt und hinterfragt, wieder und wieder. Ich war verwirrt. Wenn ich über etwas traurig war, warfst du mir zuerst vor, dass ich ja nur dieses Gefühl genieße. Weils intensiv war, weils gefühlt war. Wenn ich dann einsah, dass das stimmen könnte, warfst du mir vor, ich wäre scheinheilig, weil ich um mein Genießen wüsste und trotzdem so fühlte. Und weil du ständig deine Positionen wechseltest, weil ich es dir nicht recht machen konnte, nannte ich dich "Pharisäer" - warum hast du mein Verhalten so sehr beurteilt, statt dir dein eigenes anzugucken? Meiner Meinung nach war das Pharisäer-Verhalten. Den Splitter im Auge des anderen sehen, aber den Mammutbaum im eigenen Auge unberührt lassen.
Später wurdest du anders. Ich hab dich nicht mehr "Pharisäer" genannt, ich habe sogar fast vergessen, dass es da mal einen Pharisäer in meinem Kopf gab. Du warst der kleine Teil in meinem Kopf. Es gab Momente, da konnte ich dich fast lokalisieren, wie Kopfschmerzen; hätte ich keine Haare und einen Edding gehabt, hätte ich dich manchmal auf meinem Schädel einzeichnen können. Du hast aus allem eine Geschichte gemacht.
Das war die Zeit, in der ich das erste Mal bewusst entdeckte, dass ich auch was kann, abgesehen von mir Witze merken. Ich konnte vielleicht nicht so toll singen wie meine Schwester - aber ich mochte Worte und konnte gut mit ihnen. Wenn ich Geschichten schrieb, hab ich Lob bekommen - so wie sie, wenn sie sang.
Und du warst wie ein Autor in meinem Kopf. Aber du hast keine eigenen Geschichten geschrieben. Ich glaube, du hast mir nicht mal sonderlich geholfen, wenn ich welche schrieb. Was du gemacht hast, war kommentieren. Und zwar mein Leben. Du hast alles so formuliert, dass ich das Gefühl hatte, ein Manuskript oder Notizen zu lesen. Du warst manchmal fast die Stimme aus dem Off. Ich kam mir so blöd vor, wenn ich normal vor mich hindachte oder fühlte, wie mensch das so tut und auf einmal die Stimme aus dem Off meine Gedanken druckfertig formulierte und ich mir dadurch pathetisch fühlte, weil ich doch etwas fühlte, aber nebenbei noch in der Lage war, es so zu formulieren, dass es möglichst beeindruckt. Das war geteilt, das war doch nicht ganz. Dabei soll man bei manchem konzentriert, dabei sein, ganz sein. Bei (manchen) Gefühlen, zum Beispiel. Aber ich konzentrierte mich nicht, ich war nicht ganz, weil du ja auch noch redetest und ich dir zuhörte.
Wenn ich weinte, hast du das so ausgedrückt, wie es in einem Buch stehen würde. Ich kann nicht mal Beispiele formulieren, weil mich das heute noch beschämt und verwirrt, wie es mich damals schon verwirrt und beschämt hat. Aber du hast nicht aufgehört.
Wenn ich Leuten erzählt habe oder heute noch erzähle, dass da in meinem Kopf ein Kommentator sitzt, ein Teil meines Kopfes, der immer anders denkt als ich, dann haben mich manche angeguckt wie... nun ja, ich wusste, dass das verrückt klang.
Du warst sogar noch da, als irgendwann in den letzten Jahren die Überlegung da war, ob ich vielleicht den familiären Hang zu Depressionen hatte? Du hast da gesessen und mir vor Augen gehalten, dass mich das doch freuen müsste, schließlich steigert Leiden die Kreativität und das ist doch wunderbar. (Und hätte ich dir auch noch zugestimmt, hättest du mich fertig gemacht. Für meinen Pathos und meine Dummheit.)
Und jetzt? Jetzt bist du der Zyniker. Du formulierst mein Leben nicht mehr zu einem Buch, sondern wir führen Gespräche. Beziehungsweise setzt du mir deine Standpunkte vor. Lässt mich nicht aus den Augen, "Maria, benimm dich gefälligst! Reiß dich zusammen und sei nicht so wehleidig, das ist ja zum Kotzen!"
Ja, genau, Maria. Hör damit auf. Meinst du wirklich, die anderen wollen wissen, wenn und warum es dir schlecht geht? Glaubst du nicht, dass die genug mit sich selbst haben? Und du weißt doch, dass das auch wieder vorbei geht und man sich wieder besser fühlt. Morgen ist schon wieder ein besserer Tag und dann ist das hier schon wieder weit weg. Warum also jetzt so ein Drama machen und andere darin einbeziehen? Warum also jemanden behelligen, noch dazu, wenn dieser Jemand nichts daran ändern kann. Es ist deins, krieg du das klar. Sei doch mal selbstständig, krieg doch mal was hin. Winsel nicht rum. Heul nicht rum, das hilft keinem, dir am allerwenigsten, und die anderen stört es. Nimm doch bitte mal Rücksicht und sei nicht so elendig.
Aha. Und wer sagt das? Du. In mir drinnen. Eigentlich solltest du ganz leise sein. Du bist nicht mal jemand. Du bist nur ich.
Wäre es nach dir gegangen, ginge es jemals ganz nach dir, würde ich nicht fühlen. Hätte den Gefühlen schon vor Jahren abgeschworen und würde die meiste Zeit verächtlich auf alle anderen herabsehen, nicht, weil ich besser sei, sondern weil ich meine Armseligkeit als Mensch besser durchschaut hätte als sie die ihre.
Und ich predige Authentizität und all diesen Kram, der damit zu tun hat, so natürlich und selbst zu sein wie's geht - und bin es selbst nicht. Weil ich so geteilt bin.
Weil du da bist, du, und mich so uneins mit mir selbst machst.
Wegen dir klappt das nicht. Ich stehe nicht zu meinen Gefühlen, nicht mal vor mir selbst. Ahahaha, sehr bitter.
_____________________________________________________________
Und jetzt mal wieder weg vom persönlichen Gespräch mit dem Zyniker und zurück zum eigentlichen Thema: Was tut der Zyniker für mich?
Er schützt mich. Vor allem, was weh tut. Er hält es von mir weg, lenkt mich davon ab, lässt mich nicht dran denken. Indem er es lächerlich macht und mich so darin verunsichert. Ich stelle erst jetzt, wo ich mir den Zyniker so gut angucke, fest, wie oft ich einfach in einem Gedanken gestoppt habe, etwas nicht weiter gedacht habe, weil es zu sehr weh getan hätte.
Das hat es dann stattdessen am Donnerstag. Als ich den Zyniker in die Ferien schickte. Ihm sagte, dass er die Klappe halten solle. Was er dann ja auch tat. Und dann war er erstmal nicht mehr da, sondern in den Ferien. (Forrest Gumps Mutter sagt immer, Forrests Vater sei in den Ferien.) Ich saß also im Bus und dachte nach, weil ich ja sonst nichts kann, stimmte dem Zyniker nicht zu, verbot ihm den Mund. Ließ nicht zu, dass er meinen Schmerz und meine Beschädigung relativiert.
Und dann sitzt du plötzlich im Bus und weinst, ganz leise, um die anderen nicht zu stören, weil plötzlich alles weh tut und es ist egal, wo du hinschaust in deiner Seelenlandschaft ist überall immer irgendwas kaputt, irgendwas nicht in Ordnung und alles Wüste. Und dann überlegst du, aus dem Bus auszusteigen, um die anderen nicht zu belästigen, aber nein, das geht noch, nachhause gehts noch und da ist dann mein Zimmer, da bin ich sicher, da ist niemand, da kanns raus ohne dass irgendwer es bescheuert lächerlich pathetisch findet. Aber dann, zuhause, gehts gar nicht mehr bis nach zuhause. Denn sobald du in den kleinen Weg eingebogen bist, keine Menschen mehr da sind, die dich sehen und ÜBER DICH URTEILEN können, geht nichts mehr, halten die Dämme nicht mehr und überhaupt nichts hält mehr. Ab an die Weser, an den Menschen mit ihren Hunden vorbei, gucken dass keiner mehr da ist und dann alles in den Fluss schreien und heulen und wüten. Eine Viertelstunde lang. Bis schließlich der Schäferhund nach mir gucken kommt, meine Hand anstupst und dann erstmal ungestört aus dem Fluss trinkt, bei mir nochmal nach dem Rechten schaut und schließlich mit seinem Menschen weitergeht. Und dann ist das nur noch die posthysterische Leere. Nachhause gehen. Den Kopf beschämt (obwohl ich doch nicht mehr beschämt sein will) nach unten senken, wenn man an Menschen vorbei geht. Hoffen, dass man zuhause keinem über den Weg läuft. Zuhause keinem über den Weg laufen. In den Badezimmerspiegel gucken und angesichts des verheulten Etwas dort erschrecken. Schnell hoch ins Zimmer, ab aufs Bett, durchatmen, ungeplant zwei Stunden schlafen. Rest des Abends überleben in der geschafften Stimmung, die auf neue Erkenntnisse folgt.
Und das Krasse ist diese Erkenntnis: Ach so. Der innere Zyniker ist ein Selbstschutz. (Ja, da hätte der erfahrene Küchenpsychologe drauf kommen können, aber bei sich selbst funktioniert das ja eher nicht so.) Der innere Zyniker ist also ein Selbstschutz. Und wenn ich ihn weglasse, bin ich am Arsch, wenn ich ihn zum Schweigen bringe, bin ich am Arsch, sollte er irgendwann nicht mehr funktionieren, werde ich am Arsch sein.
Aber so soll das doch nicht sein.
Ich freue mich auf das Gleichgewicht, das eine Therapie hoffentlich mitherbeiführen kann. Den Zyniker jetzt in seiner guten, für mich helfenden Position zu sehen, ist ein Anfang. Ist ein erster Schritt zum Gleichgewicht, das merke ich.
Er ist nicht mehr nur ein feindlicher Teil von mir, etwas in mir, dass mich nicht versteht und dass ich immer aus mir raus haben wollte. Er will mich schützen. Er will mir helfen. Er will mir Gutes, er geht es nur leider falsch an.
Aber er ist etwas von mir. Und nicht mehr so schrecklich fremd.
2011-01-12
Das mit der Einsamkeit.
(nur so eine ungeordnete Problembetrachtung zu späten Stunden.)
"Dann denkt man und das ist dumm und dann ist man auch schon typisch pathetisch am rumheulen, weil man....(...) - weil es doch kaum sein kann, dass man diese Einsamkeit so sehr verinnerlicht hat, dass man jetzt nicht da raus kann.
"Dann denkt man und das ist dumm und dann ist man auch schon typisch pathetisch am rumheulen, weil man....(...) - weil es doch kaum sein kann, dass man diese Einsamkeit so sehr verinnerlicht hat, dass man jetzt nicht da raus kann.
Aber es ist so.
Ich meine, ich rede mit M. Und statt hier zu liegen und möglichst leise zu heulen, könnte ich nach nebenan gehen und sagen, dass ich nicht klar komme. Ich könnte [Menschen] ANRUFEN, statt nur über irgendwelche Chats lustige Nachrichten zu schreiben und [erbärmlich] stundenlang auf ne Antwort zu warten. Ich könnte dich anrufen(...). Ich könnte sogar meine Mutter anrufen.
Aber ich machs nicht, the fuck knows why."
Also:
Also:
Ich beklage mich nicht, weil die anderen doch auch Probleme haben. Genug. Und meine eigenen sind... naja, ich lebe. Ich hab noch nie versucht mich umzubringen. Bitte, kann man sich beklagen? Bloß weils weh tut und hin und wieder fast die Luft wegbleibt. Wer kennt das nicht?
Ich verurteile mich so sehr selbst für mein Pathos, dass ich meinen [akuten] Schmerz anderen gar nicht aufdrängen will. Ich kann zwar sachlich erklären, was mir so zu schaffen macht. Aber wirklich anderen zeigen, dass und wie sehr es weh tut? Live, stereo und in Farbe? Da komme ich mir dumm vor. Ich kann nicht losgehen und sagen: "Hör mir bitte zu, ich heule jetzt gerade und es geht mir scheiße, ich brauch nur irgendwen zum Reden." Dabei wäre ich so gut wie jederzeit bereit, einem anderen zuzuhören. Warum habe ich nicht im Hinterkopf, dass ich dieses Bedürfnis genauso bei anderen anmelden kann? Und dass es vor allem Menschen gibt, die bereit sind, das zu geben - weil sie mich mögen, zum Beispiel? Menschen, die es vielleicht sogar verletzt, wenn ich mich ihnen nicht anvertraue - weil diese Vertrauensbasis doch eigentlich da ist, ich sie aber nicht nutze?
Ich kann über alles, was weh tut, reden - solange es nicht akut weh tut.
Wenn der Schmerz akut da ist, igel ich mich ein. Verkrieche mich. Verstecke meine Wunden, damit das Rudel nicht denkt, ich sei zu schwach und müsste ausgestoßen werden, um den andern nicht zur Last zu fallen. Pathetischer Vergleich? Ja. I don't care.
(Das ist doch das Problem. Das Rudel verstößt die Leider. Oder mag sie zumindest weniger. Will man weniger gemocht werden? Nein. Verkneift man sich deshalb Sachen? Ja. Auch Sachen, die eigentlich okay sind, bei denen man aber irgendwie gelernt hat, dass man das lieber mit sich selbst klären soll? Ja.) (Darauf geh ich wannanders ein. Glaube ich. Kindheitskacke. Nicht mehr heute abend.)(Kein Vertrauen, dass die anderen trotzdem bleiben, aus Sympathie/Liebe, egal wie sehr man nervt. Aha.)
Wenn ich immer nur vermeide, das, was mein innerer Zyniker für Pathos hält, andern anzuvertrauen, komme ich nicht raus. Und bleib hocken in meinem Loch, in meinem "geh weg, ich hab kein Problem!"-Schneckenhaus.
Wenn ich immer nur verachte, was mein innerer Zyniker für Pathos hält, kann ich mir Gefühle gleich sparen. Weil mein innerer Zyniker immer mit verschränkten Armen da steht und verächtlich hinschmeißt, dass Gefühle was für Pussies sind. Er hält nie die Klappe, dieser dumme Hurensohn.
Wenn ich immer nur verachte, was mein innerer Zyniker für Pathos hält, kann ich mir Gefühle gleich sparen. Weil mein innerer Zyniker immer mit verschränkten Armen da steht und verächtlich hinschmeißt, dass Gefühle was für Pussies sind. Er hält nie die Klappe, dieser dumme Hurensohn.
Ich heule nicht vor anderen, weil - ich es einfach nicht mache.
Eigentlich will ich nicht so getrennt von mir selbst sein. Ich will nicht, dass es in mir einen Teil gibt, der leidet und den anderen, der ihn dafür auslacht und als "Pussy, Memme, Pathoskönigin, wehleidiger Hypochonder" beschimpft. Ich will nicht so getrennt in mir sein, ich will mich nicht so kränken, ich will mich nicht so verspotten, ich will aufhören zu relativieren. Weil das in mir weh tun darf. Das ist der ganz normale Lebensschmerz - aber eben auch mehr. Weils meins ist. ICH steck da drin.
Und ich hab alles Recht der Welt, daran zu leiden, so viel wie mir gut tut, soviel wie ich brauche. Das muss so.
Und ich hab alles Recht der Welt, daran zu leiden, so viel wie mir gut tut, soviel wie ich brauche. Das muss so.
2010-12-29
"Ich bin müde in meinem Kopf."
Das ist der Satz, über den ich in letzter Zeit (= seit Monaten) am meisten den Einstieg zu mir finde. Wenn ich mich entspanne und mich frage, wie's mir geht, dann kommt meist das: "Ich bin müde in meinem Kopf." Wenn ich irgendwann runterspringe von dem Gedankenkarussell, weil mir schwindelig ist und mein Magen weh tut, dann kommt das: "Ich bin müde in meinem Kopf."
Und ja, ich schlafe oft genug mit Sicherheit zu wenig - jetzt gerade nicht, weil ich Urlaub habe, aber dafür umso mehr, wenn ich arbeite. Aber das ist irgendwie noch mehr. Das alles, was da in meinem Kopf rumrennt - das macht mich müde. Ich versuche ja gar nicht immer, mitzurennen. Aber schon das Zugucken ist Erschöpfung. Denken, denken, denken. Und ich will gar nicht mehr mit. Nicht immer und nicht überall hin. Ich will, dass da oben einfach auch mal Pause ist.
So viele Ebenen zum Mitbedenken.
Hunderttausend Fragen, die man nicht stellen kann - obwohl ich doch schon mehr Ehrlichkeit, Transparenz, Authenzität in meinem Leben habe als manch anderer! Aber manche Fragen kannst du nicht stellen, wenn du Ehrlichkeit willst. Weil Ehrlichkeit und Sympathie irgendwann anfangen, sich alles um die Ohren zu hauen.
Und wenn du Leute bittest, ehrlich zu sein, weil sie dich mögen, können sie das manchmal nicht, weil sie dich mögen. Weil Sympathie manche Wahrheiten nicht übersteht. Liebe schafft das vielleicht, wer weiß. Aber Sympathie zieht den kürzeren, wenn man erstmal weit genug gegangen ist. Das ist scheiße, weil ich in meinem Kopf nicht aufhöre zu fragen.
Ich frage und frage und frage und frage und frage und frage und frage und
und ich könnte Leute fragen, aber dann würde ich sie in die Ecke drängen. Und ich würde Antworten bekommen, die ich gar nicht will. Denn ich habe ja Vorstellungen, welche Leute mir bitteschön was antworten sollen - das werden sie aber nicht tun, weil ich ja will, dass sie ehrlich sind. Und so würde das Fragen meine Einsamkeit nicht bessern, sondern verstärken. Und am Ende wären alle traurig, weil die einen zu viel gesagt und die anderen zu weit gefragt haben.
Ein bisschen habe ich Angst, dass aus dieser Müdigkeit irgendwann wieder mehr werden könnte, irgendwas Todessehnsüchtiges, das alte Monster. Momentan sieht es nicht danach aus. Aber manchmal will ich so sehr meine Ruhe haben. Von allem und allen und vor allem von mir.
Und ja, das hier ist nur irgendein "raus aus meinem Kopf und irgendwo anders hin damit, aber raus aus meinem Kopf!"-Zusammenschrieb. Und ja, ich kenne Leute, die bei so etwas denken "komm mal klar, mach dir keinen Kopf" und ich kenne Leute, die bei so etwas denken "da bist du erst? warte mal, bis du weiter kommst!" - es ist mir egal. Es ist mein Kopf, der platzt, MEINER. Es sind meine Gedanken, in denen kein Platz mehr ist für eure Gedanken. Es ist meine Meinung, die Atemnot hat, weil eure Meinungen unbedingt alle mit auf die Party wollen.
Ich mag nicht mehr. Ich mag nicht mehr vorrausdenken. Ich mag nicht mehr überanalysieren, jetzt gerade nicht und auch sonst oft genug nicht. "Ja" zu den geliebten Gedankenwelten, "ja" zum geliebten, verkuschelten WasWeißIch-Monster in meinem Kopf. Geliebt und da und was will man machen. Aber manchmal würde ich gerne nur so viel denken müssen wie eine Spitzmaus oder ein Grottenolm oder ein Wal. Oder meinetwegen sogar eine Kellerassel. Manchmal würde das vollkommen reichen.
Und ja, ich schlafe oft genug mit Sicherheit zu wenig - jetzt gerade nicht, weil ich Urlaub habe, aber dafür umso mehr, wenn ich arbeite. Aber das ist irgendwie noch mehr. Das alles, was da in meinem Kopf rumrennt - das macht mich müde. Ich versuche ja gar nicht immer, mitzurennen. Aber schon das Zugucken ist Erschöpfung. Denken, denken, denken. Und ich will gar nicht mehr mit. Nicht immer und nicht überall hin. Ich will, dass da oben einfach auch mal Pause ist.
So viele Ebenen zum Mitbedenken.
Hunderttausend Fragen, die man nicht stellen kann - obwohl ich doch schon mehr Ehrlichkeit, Transparenz, Authenzität in meinem Leben habe als manch anderer! Aber manche Fragen kannst du nicht stellen, wenn du Ehrlichkeit willst. Weil Ehrlichkeit und Sympathie irgendwann anfangen, sich alles um die Ohren zu hauen.
Und wenn du Leute bittest, ehrlich zu sein, weil sie dich mögen, können sie das manchmal nicht, weil sie dich mögen. Weil Sympathie manche Wahrheiten nicht übersteht. Liebe schafft das vielleicht, wer weiß. Aber Sympathie zieht den kürzeren, wenn man erstmal weit genug gegangen ist. Das ist scheiße, weil ich in meinem Kopf nicht aufhöre zu fragen.
Ich frage und frage und frage und frage und frage und frage und frage und
und ich könnte Leute fragen, aber dann würde ich sie in die Ecke drängen. Und ich würde Antworten bekommen, die ich gar nicht will. Denn ich habe ja Vorstellungen, welche Leute mir bitteschön was antworten sollen - das werden sie aber nicht tun, weil ich ja will, dass sie ehrlich sind. Und so würde das Fragen meine Einsamkeit nicht bessern, sondern verstärken. Und am Ende wären alle traurig, weil die einen zu viel gesagt und die anderen zu weit gefragt haben.
Ein bisschen habe ich Angst, dass aus dieser Müdigkeit irgendwann wieder mehr werden könnte, irgendwas Todessehnsüchtiges, das alte Monster. Momentan sieht es nicht danach aus. Aber manchmal will ich so sehr meine Ruhe haben. Von allem und allen und vor allem von mir.
Und ja, das hier ist nur irgendein "raus aus meinem Kopf und irgendwo anders hin damit, aber raus aus meinem Kopf!"-Zusammenschrieb. Und ja, ich kenne Leute, die bei so etwas denken "komm mal klar, mach dir keinen Kopf" und ich kenne Leute, die bei so etwas denken "da bist du erst? warte mal, bis du weiter kommst!" - es ist mir egal. Es ist mein Kopf, der platzt, MEINER. Es sind meine Gedanken, in denen kein Platz mehr ist für eure Gedanken. Es ist meine Meinung, die Atemnot hat, weil eure Meinungen unbedingt alle mit auf die Party wollen.
Ich mag nicht mehr. Ich mag nicht mehr vorrausdenken. Ich mag nicht mehr überanalysieren, jetzt gerade nicht und auch sonst oft genug nicht. "Ja" zu den geliebten Gedankenwelten, "ja" zum geliebten, verkuschelten WasWeißIch-Monster in meinem Kopf. Geliebt und da und was will man machen. Aber manchmal würde ich gerne nur so viel denken müssen wie eine Spitzmaus oder ein Grottenolm oder ein Wal. Oder meinetwegen sogar eine Kellerassel. Manchmal würde das vollkommen reichen.
Abonnieren
Posts (Atom)