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2012-08-24

sleep position: "the lonely blogger"

Das hier ist meine Heimatstadt. Dass ich sie wegen der Kleingeistigkeit ihrer Bewohner verachte, ist das eine. Aber sie wegen der darin enthaltenen Gespenster zu hassen, das ist das andere. Das ist etwas, was einen zu großen Zwiespalt zwischen der Liebe für die Heimat und den anderen, aufgrund der Erkenntnis der Realität enttäuschten, ebenfalls berechtigten Gefühle herstellt. Ich bin in dieser Stadt zum Kindergarten, in die Grundschule, aufs Gymnasium gegangen, ich hab mich hier wichtige Freunde gefunden, das hier war meine Welt. Keine Welt, in der ich mich völlig zugehörig fühlte oder in der ich bleiben wollte, aber die Welt, die ich kannte.

Ob das mit den Gespenstern erst besser wird, wenn die dazugehörigen Leute tot sind? Oder kann ich vorher schon genug Abstand finden?

Ich bin 21, ich wohne seit zwei Jahren nicht mehr zuhause, bei meiner Familie, ich war jetzt 4 Wochen wieder "zuhause", bei meiner Familie (in einem Zuhause, in das ich nicht mit eingezogen bin und in dem ich kein eigenes Zimmer habe, aber das ist okay) und ich möchte gerade noch nicht wieder zurück. "Ich möchte nicht" ist geringfügig untertrieben, ich habe verficktes Heimweh, jetzt schon, und bin doch noch nichtmal abgereist. Kann ich nicht noch hier bleiben, drauf scheißen, dass bald Ferienende ist und ich wieder woanders sein muss, und einfach nur eine große Schwester und eine älteste Tochter sein? Keine junge Erwachsene, die mit dem Erwachsenwerden manchmal noch echt zu kämpfen hat (sich davon nicht aber viel anmerken lässt, weil sich nichts anmerken lassen auch erwachsen ist).
Ich würde gerade sonstwas geben für noch etwas mehr Zeit, in der ich vergessen kann, dass ich eigentlich schon groß sein muss.

2012-05-28

Noch mehr für den "Dinge, die ich bin"-Katalog.

(Wirklich nicht. Ich und Temperament? Ich bin doch so ruhig, so rational, so zurückhaltend. Ich hab mir meine eigentlich laute Art einfach weggelogen, wahrscheinlich weil ich sie schlecht bewertete. Laut sein. Laut sein ist eine Form von Schwäche und als Frau hat man erst Recht nicht laut zu sein. Nicht, dass ich diese Gedanken je laut formuliert hätte, aber ganz unbewusst schwang vielleicht genau das mit. Inzwischen lerne ich und weiß es besser, aber diese Feststellung von außen überrascht mich immer noch.) 


Ich kann viel und stark fühlen und trotzdem auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Ich ENTSCHEIDE mich, viel zu fühlen. Ich entscheide mich, jetzt rumzuheulen anstatt stark zu sein.
(Voll gut. Ich mag das. Mein Herz überwältigt nicht meinen Kopf und mein Kopf macht mein Herz nicht klein. Ausgewogenheit, endlich mal. So soll das.) Ich habe ungesund viel Selbstbeherrschung, was auch wieder scheiße ist. (Keine Wertung mehr, kein "Das Eine ist besser als das Andere". Weil das dumm ist. Beides ist notwendig, beides gehört dazu. Keines soll das das andere überwältigen oder klein machen.)

Ich bin ein Mädchen und hab mich trotzdem nicht weinen lassen.
(Ja, nicht nur Jungen lernen, dass Weinen doof ist. Mädchen kriegen im Patriarchat auch Kackscheiße indoktriniert. "Du weinst, weil du schwach bist, schwach und ein Mädchen." "Na, dann wein ich halt nicht mehr und bin zwar noch ein Mädchen, aber nicht mehr so schwach.")

2012-05-01

Maria lernt das mit dem glücklich oder zufrieden sein und es ist seltsam.


"Wenn ich traurig bin und ich nicht mehr weiß, wohin, sing ich ein Lied:
Eines Tages wird das alles anders sein. Bleib nur fröhlich, fühlst du dich auch ganz allein!"


Ein Zitat aus einem Lied aus einem Kindermusical, das nicht so wirklich cool ist, aber das hier ist nett.


Mir wird ein bisschen komisch, wenn ich mir angucke, dass ich mich zur Zeit als glücklich empfinde. Ich meine, ich weine nicht weniger als vorher, vielleicht sogar mehr und manchmal aus winzigen Gründen, der Stress in der Ausbildung steigt wieder, weil Leistung erbracht werden muss und auch sonst ist da Zeug in meinem Leben, das der allgemeinen Definition von "Glück" nicht wirklich entspricht - und trotzdem bezeichne ich mich das erste Mal als "glücklich". "Glücklich" oder auch "zufrieden", das ist die Grundstimmung, selbst wenn ich traurig bin oder wütend oder überfordert. Alles sehr seltsam.


Der ausschlaggebende Punkt ist glaube ich, dass ich mich annehme. Und mich dadurch ganz fühle, zum ersten Mal. Keine Teile mehr, die abgeurteilt werden, die auf die Fresse kriegen, wenn sie sich zu Wort melden. Nein. Ein geduldiges sich gegenseitig an die Hand nehmen. Und das ist wahrscheinlich der Grund, warum es mir gerade so gut geht, obwohl die äußeren Umstände nicht unbedingt dafür sprechen.


Wie gesagt, alles sehr seltsam.

2012-03-08

Wenn

Wenn ich groß bin,


werde ich es schaffen nicht mehr wehmütig an meinen Vater zu denken, wenn ich Musik höre, die er auch mag. Ich werde dann einfach kurz denken "oh, Dire Straits, eine von Papas Lieblingsbands" und das war's. Keine Tränen, nicht mal weggezwinkerte, keine Gesichtsmuskeln, die mir nicht gehorchen und rumzucken, kein eingeklemmtes Gefühl im Bauch, kein Kloß im Hals. Nur ein kurzes Zurkenntnisnehmen. Nicht abgestumpft, aber auch nicht mehr schmerzhaft.


Und bis dahin freue ich mich, dass ich immerhin schon groß genug bin, mir meine Traurigkeit ein- und zuzugestehen, ohne sie bitter wegzurempeln oder in Wut zu verwandeln. Ja, ich hab alle Lieder von Diana Krall gelöscht, ohne sie anzuhören. Ja, nur weil sie seine LIeblingssängerin ist. Und das ist völlig okay.

2012-02-13

Liebes krankhaftes Sicherheitsbedürfnis, please fuck off.



Postete das schonmal, nämlich hier, aber es ist mir ein Bedürfnis, es auch noch mal auf meinem "richtigen" Blog festzuhalten.

Weil JA DAS IST ES OH MEIN GOTT DIE GANZE ZEIT IMMER WHY CAN'T IT STOP

Kopf, warum kannst du nicht aufhören, immer zu interpretieren und im Voraus zu berechnen (was ja eigentlich gar nicht geht, hey, hörst du? ES GEHT NICHT!), was der/die andere jetzt wie verstanden haben könnte und was er/sie damit anfängt und wie ich dann darauf reagieren soll? Warum trittst du dieses verkackte Sicherheitsbedürfnis, das leider kein Scheinriese ist, sondern ein echter, richtiger Riese, größer als Hagrid und viele Tonnen schwer, nicht einfach mal in den Arsch und scheißt drauf, was es will?

"Was, wenn sie nicht reden wollen/ wenn ich sie nerve/ wenn sie wütend auf mich werden?" Dann können sie das verdammt nochmal sagen. Vertrau darauf, dass sie das tun. Und wenn sie es nicht tun ist das ihr eigenes verdammtes Problem. Nicht meines. Ihre Schuld, wenn sie's nicht machen und drauf hoffen, dass ich riechen kann, dass es sie nervt. Kann ich nämlich nicht, und wer's trotzdem erwartet, kann mir gestohlen bleiben.
"Was, wenn sie nur höflich sind?" Dann wirst du das merken, irgendwann. Eher früher als später, weil du ein helles Köpfchen bist und dich nicht einfach so verarschen lässt. Und wenn du das dann rausbekommen hast, kannst du ihnen "Fuck off!!" sagen und dann sind sie egal, scheißegal.

"Was, wenn sie nicht mehr reden wollen?" "Was, wenn wir keine Freunde mehr sind?"
a) Solche Dinge passieren manchmal. Manchmal sehr unvorhergesehen. Und manchmal oder oft ist das alles sehr schmerzhaft. Aber: Du musst - und wirst! - lernen, damit umzugehen. Hab keine Angst. Das gehört zum Leben dazu. Und deshalb bist du in der Lage, das zu bewältigen und weiter zu gehen.
b) Bitte mach dich nicht verrückt und schieb nicht solche Filme. Solange das nicht wirklich das ist, was passiert, gibt es keinen Grund, irgendwelche "Wenn"-Szenarios vorzubereiten und durchzuspielen. Wenn es soweit ist, werden die dir nämlich einen Scheißdreck helfen. Und Überhaupt kommt es immer anders in irgendwelchen "Wenn"-Szenarios.

"Aber ich vermisse/liebe sie!" *schluchz* Hallo. Guck mal bitte. DAS HIER. Das ist das wichtige. Das ist nämlich dein Bedürfnis. Das ist das, was unter den Tisch fällt und unbeachtet bleibt, wenn DU nicht darauf achtest. Das ist das, was du kommunizieren musst, weil die anderen darauf vertrauen, dass du das tust und sie nicht darüber im Unklaren lässt, was in dir los ist. Ergo: Wenn du es nicht kommunizierst - selbst, wenn du dich anderen zuliebe zurückhältst, um sie zu schonen oder was weiß ich - missbrauchst du dieses Vertrauen. Oh. Mist. Also krieg den Mund auf.

Dieses Abwägen zwischen meinen eigenen Bedürfnissen und der Belastbarkeit (mit diesen Bedürfnissen und möglicherweise ihrer Befriedigung) anderer ist höflich, ja. Aber Höflichkeit ist (in zwischenmenschlichen Dingen, vor allem) Bullshit. Und es ist unlogisch. Du kannst nicht von anderen Ehrlichkeit verlangen, selbst aber keine leisten. Also hör auf zu lügen. Ehrlichkeit ist mehr Liebe als aus vermeintlicher Liebe, eigentlich aber Angst zu lügen und damit zulassen, dass Dinge kaputt gehen.

So. Wo ich das jetzt so toll durchdacht hab, muss ich ja nur noch mutig werden und es umsetzen. Haha.

2012-02-02

"Ich vermisse dich (und 'dich' kann auch ruhig mal mich selbst meinen)"

Jetzt gerade möchte ich gerne, dass ich Recht hatte, als ich mich zurechtwies wegen meines vielen Vermissens oder wegen dieses "ich vermisse dich"-Satzes, der so oft in meinem Kopf ist. Kein "Sei nicht so ne Pussy, vermiss weniger!", sondern "Hey, das kann doch nicht sein, dass du immer nur die anderen vermisst! Vielleicht vermisst du ja auch einfach mal dich!"


Ich möchte gerne, dass das stimmt. Und dass ich tatsächlich gerade andere weniger vermisse, weil ich eigentlich auch mal mich vermissen kann und weil ich endlich - zumindest ansatzweise - hinkriege, was ich schon so lange will: Mir selbst genügen. Nicht für generell und immer, aber so, dass ich nicht mit anderen sein muss, damit es mir gut geht. Das möchte ich gerne. Und ich hoffe, dass es das ist und nicht nur irgendetwas, das bald wieder vorbeigeht. Denn ich mag das, dieses sich selbst genügen. Ich kann auch mal genug sein.

2012-01-16

And suddenly: "Gib dir Zeit."

Da steht man in der Gegend rum, denkt sich nichts böses, und auf einmal hockt dieser Gedanke im Kopf:


"Dann weiß ich halt jetzt noch nicht, was ich will. Dann finde ich es halt raus. Dann geb ich mir halt mal Zeit."


Dieses Gefühl, das sich-Zeit-geben-Gefühl. So… fremd. Aber so richtig. Ich habe dieses Gefühl so selten, ich sollte es in Einmachgläser und Flaschen und andere fest verschließbare Gefäße geben. Um es nicht zu vergessen. Um hin und wieder ein bisschen daran zu riechen, zu kosten, zu fühlen und daran zu denken, dass es mir gut tut, dieses Gefühl, dass es mir gut tut und ich mich es öfter haben lassen sollte, weil ich Dinge für mich wollen sollte - und will! -, die mir gut tun. Imperativ an die erste Person Singular. Gib dir Zeit.


Sich Zeit geben ist sich entlasten, ist sich gut tun, ist sich lieben. Und genau so fühlt sich das an. Fremd - und das ist schade und macht mich traurig. Aber richtig. Richtig richtig. Und gut. Ich gebe mir diese Entlastung, ich gebe mir Zeit und mein inneres Kind, das ich sonst so viel misshandle und anschreie und einschränke und dem ich viel zu oft vor Augen halte, wie unfähig es ist, atmet tief durch. Und ich auch.


Da kann man dann auch schon mal im Bus weinen.

2011-12-21

Diese Scheiße mit den Bindungstypen raubt mir den letzten Nerv.

"Ich konnte die Hausaufgabe leider nicht machen, weil ich von dem zu bearbeitenden Text zu sehr weinen musste." Harrrharrrharrr.


"Je nach Interaktion zwischen Bindungsperson und Kind können verschiedene Hauptbindungsmuster entstehen. Jedes dieser Muster stellt eine an die Lebensbedingungen angepasste Verhaltensstrategie des Kindes und keine Bindungsstörung dar." Na dann.


"Das sicher gebundene Kind kann seine Gefühle zeigen (…).
Kinder, die ihre Gefühle in Stresssituationen nicht offen ausdrücken (…) werden dem unsicher-vermeidenden Bindungsmuster zugeordnet. Ihre Bindungspersonen sind häufig nicht sehr feinfühlig und stehen demnach auch nicht als sichere Basis zu Verfügung. Die Kinder entwickeln eine Vermeidungsstrategie: Sie suchen die Nähe ihrer Bindungsperson gar nicht erst, da sie von ihr keine Auflösung ihrer negativen Gefühle erwarten. Die unbewussten Arbeitsmodelle unsicher-vermeidend gebundener Kinder bilden die Bindungsperson als nicht unterstützend und sich selbst als zurückgewiesen ab. Auf diese Weise entwickeln sie ein eher negatives Selbstbild, unterdrücken ihre Gefühle und kontrollieren sich in hohem Maße selbst. Diese Kinder wirken oft besonders selbstständig und unbelastet. Jüngere Studien haben jedoch gezeigt, dass sie in den ersten Tagen in einer Einrichtung mindestens eben so stark unter Stress stehen wie sicher gebundene Kinder."


"Inneres Arbeitsmodell des Kindes beim unsicher-vermeidenden Bindungstypen:
- Andere Menschen sind unerreichbar und abweisend.
- Ich muss mich schützen.
- Wenn ich meine Bedürfnisse verleugne, werde ich nicht zurückgewiesen.
- Wenn ich mich um andere kümmere und meine eigenen Bedürfnisse verleugne, werde ich geliebt."


Pädagogische Texte lesen und in den Beschreibungen des kindlichen Verhaltens des eigenen, inzwischen 20-jährigen Ichs wiederfinden, immer wieder. Die ganzen Macken und Mechanismen, die ich für mich teilweise erst lerne, zu benennen und zu formulieren, einfach so auf Papier, als trockene Beschreibung, einfach so. Bums. Deal with it.


Ich möchte das nicht.


Vorhin dachte ich mir: "Hey, hätte ich nicht schon vor knapp nem Jahr die Therapie angefangen, hätte ich wahrscheinlich schon keine Lust mehr auf diese ganze Scheiße und die pädagogische Ausbildung einfach abgebrochen." Ha. Wahrscheinlich trotzdem nicht, aber der Unterschied wäre gravierend.


"Ja, das mit der Hausaufgabe hab ich nicht hinbekommen, ich hab's leider nur noch geschafft, meine Gefühle in einen Blogtext zu packen. Ha!"

2011-10-22

Kind sein

Ich fühl mich wie ein Kind. Aber nicht in dem positiven Sinne, wie das sonst gemeint ist, wenn ich von meiner empfundenen Kindlichkeit spreche. Sondern im negativen Sinne, mit den negativen Sachen, die Kindsein beinhaltet. [Let's face it: Kind sein ist scheiße und die kleinen Bratzen haben alles Recht der Welt, ständig rumzuflennen. (Das hätten alte Menschen übrigens auch, aber die machen's nicht, man ist ja erwachsen. Selbst schuld.)]




Also, negatives Kindsein:
  • Ich flenne rum. Als würde das irgendwas ändern oder gar helfen.
  • Ich habe Ängste in einem Ausmaß, das keinen Spaß macht. Verlustängste. Angst vor Zurückweisung. Angst, zu nerven, was ja auch nur eine Form der Angst vor Zurückweisung ist. Und genauere Beispiele will ich nicht nennen, weil das zu tief blicken ließe und überhaupt, mich nervt das so schon alles genug.
  • Ich verstehe ständig Sachen falsch. Ich habe völlig falsche, meistens negative Bilder von Menschen oder insbesondere ihren Reaktionen und komme mir regelmäßig dumm vor, weil mich die Realität eines besseren belehrt oder, genauer gesagt, mich daran erinnert, dass ich es eigentlich schon besser weiß. Ein intuitives "das und das wird passieren" und eine gewisse Zeit später, nach reiflicher Überlegung und/oder weniger Realitätsverlust "nein Maria, das und das würde passieren und eigentlich weißt du das auch. Denk doch mal nach."   Es ist so scheiße anstrengend, wenn die eigene Intuition ständig jämmerlich versagt oder einfach nur komplett daneben liegt mit ihren Erwartungen. Und das heißt nicht, dass ich möchte, dass diese Erwartungen sich erfüllen. Nein, ich möchte einfach nur, dass meine Intuition mein Wissen über die Realität etwas stärker miteinbezieht.
  • Ich habe solche Angst zu nerven, dass ich oft genug einfach die Klappe halte. Ich halt den Mund. Und ich überlege (manchmal sogar in der Situation) ob ich wollen würde, dass der andere die Klappe hielte, wenn er in meiner Situation wäre (meistens nicht). Aber das muss ja nichts heißen, ich halte trotzdem die Klappe.
  • Ich fühle mich unselbstständig und klein und ohnmächtig und DAS ist ja das beschissenste überhaupt am Kindsein. Und ich werde wütend, mir gegenüber, und kann mich nicht beruhigen und dann komme ich mir regelmäßig auch eher wie zwei vor als wie 20 Jahre alt.

Jetzt hab ich keine Lust mehr.
Reicht auch.


Hier, übrigens. Eigentlich bin ich gerade glücklich. Aber die Sachen, die nicht funktionieren, gehen davon nicht weg. Und das ist immer noch anstrengend.


Okay. Vorhaben, zu reden, steht. Seht ihr? Ja, ich werde reden. Versprochen. Mir.

2011-09-28

Hatten Sie ein Lieblingsstofftier? Wie hieß es und was war es, und besitzen Sie es heute noch?

ich kann mich nicht für ein lieblingsstofftier entscheiden, weil das die anderen zu sehr verletzen würde. war schon immer so.

wichtig bis heute sind: robbe (eine ca. 1 m lange babyrobbe, weiß und flauschig), teddy (mein brauner teddybär), teddy-baby (ein kleiner teddy in einem blümchengemusterten anzug) und panda (ein pandabär).

wunderbar deskriptive namen, nicht wahr?

Get naked. Ask questions.

2011-08-23

Liebes inneres Kind.

Man sollte mir einen Zettel an den arm tackern: "Sei nett zu dir! SEI NETT!"
Wie schnell ich das vergesse. Wie oft ich das nicht bin. Ich scheitere, bin dann scheiße zu mir und mache es damit noch schmerzhafter.
Und dann sitze ich da und weiß um Himmels willen nicht, warum es mir so dreckig geht und nach Stunden fällt es mir ein: Ach ja.
Ach ja, Maria. Wie würde es einem Kind gehen, wenn du es für sein Scheitern fertig machst? Und was machst du mit dir? Und wie geht es dir?


Und während ich im Schneckentempo zu derartigen Erkenntnissen komme, sitzt mein inneres Kind in der Ecke und weint sich die Augen aus.
Liebes inneres Kind, ich bin so gemein zu dir und tue dir weh und es tut mir entsetzlich leid. Bitte vergib mir.




(Ich bekomme Termine nicht auf die Reihe, erledige nicht, was ich erledigen wollte/sollte, tätige Anrufe nicht, wenn ich sie tätigen sollte. Und ich stehe da und scheitere und gucke mir dabei zu und schimpfe. Der starke, erwachsene Teil schimpft entsetzlich mit dem schwachen Teil von mir. Dem Kind-Teil. Ich schimpfe entsetzlich mit mir, bin wahnsinnig wütend und enttäuscht. Von mir. Ich schimpfe und tobe und haue meinen Kopf und fühle mich völlig im Recht, ich habe das verdient, ich baue nur Scheiße.


Aber schließlich dann fällt mir auf, wie falsch das ist. Ich muss die Perspektive wechseln, ich muss projizieren, um es zu merken, aber es fällt mir auf. Inzwischen. Endlich.


Und dann fühle ich mich schuldig. Der starke Teil merkt, wie falsch das ist und fühlt sich schrecklich. Dieses Gefühl wird stärker bewusst, mit jedem Mal.


Was ich hinbekommen muss, ist nicht, mich auf die Seite des schwachen Teils zu stellen und den starken Teil auszuschimpfen. Denn dann wäre ich ja wieder gegen mich. Nein, ich muss den starken Teil dazu bringen, dem schwachen Teil zu helfen. Sie sollen nicht gegeneinander, sondern miteinander sein. Ich will nicht gegen mich selbst sein. Also bringe ich die beiden unter einen Hut, so gut es geht. Und es klappt zunehmend besser, glaube ich sagen zu können.)


Hallo Maria, denk dran: Ein Scheitern ist selten bis nie der Weltuntergang.

2011-05-19

Wenn ich nicht darüber nachdenke

Wenn ich nicht darüber nachdenke, wie traurig es ist, sich selbst gut zuzureden, sich zu beschwichtigen wie ein kleines Kind oder sich auch mal im Spiegel klar und mit Nachdruck ein "Nein! Nein Nein Nein!" entgegen zu halten, dann tut es auch nicht weh.


Wenn ich nicht darüber nachdenke, wie verzweifelt es ist, immer 5 Schritte vor und zurück zu laufen oder da zu sitzen und sich zu wiegen bis man ruhig wird, dann tut es auch nicht weh. Dann hilft es einfach nur.


Wenn ich nicht darüber nachdenke, dass es traurig ist, da zu sitzen und sich selbst festzuhalten, weil niemand da ist, dem ich das sonst zutraue - wenn ich nicht darüber nachdenke, diesen Gedanken nicht in meinem Kopf formuliere, nichtmal ein kleines bisschen - dann tut es auch nicht weh. Sondern hilft und beruhigt mich und sorgt dafür, dass ich mich nicht mehr ganz so alleine fühle.


Wenn ich nicht daran denke, dass es eigentlich so anders sein sollte und könnte, dann tut es auch nicht weh.


Wenn ich nicht daran denke, dass ich immer und immer und immer und immer und immer wieder so handle, wenn ich nicht daran denke, dass ich mir innen drin nicht einig bin, ob ich zu mir halten oder mich lieber fertig machen will, wenn ich nicht daran denke, dass manches in mir so sehr gegen mich ist, wenn ich nicht daran denke, dass es eben diese Teile sind, die mich so in der Hand haben und meinen, ich müsse das alleine schaffen, ich dürfe keine Hilfe erbitten, ich dürfe keine Schwäche zeigen - obwohl sie immer das Falsche als Schwäche brandmarken -


wenn ich das nicht denke und nicht sage und nicht formuliere und versuche, es nichtmal zu fühlen DANN TUT ES AUCH NICHT WEH.


Wenn ich nicht daran denke, dass ich diese Uneinigkeit über mich mit mir in mir herumschleppe und sie überall da ist und ich keine Ruhe finde, nichtmal zuhause, wenn ich nicht an die Uneinigkeit denke, kann ich sie fast ein bisschen vergessen und dann tut sie nicht so sehr weh.


Wenn ich nicht darüber nachdenke, dass ich das hier und all diese Dinge, die so sind, ins Internet schreibe und Leute es lesen und es ihnen am Arsch vorbei geht, tut's nicht weh.
Und wenn ich nicht darüber nachdenke, dass ich das hier ins Internet schreibe und Menschen das lesen und betroffen sind und sich wünschen, sie könnten helfen, dann tut's mir auch nicht weh und nicht leid und ich muss mich nicht schämen, weil ich andere traurig mache, indem ich nicht die Klappe halte. Obwohl auch das wieder falsch ist. Weil ich einfach sehen sollte, dass Menschen sich kümmern und helfen wollen. Ich sollte daraus Kraft und Mut oder irgendwie so etwas schöpfen, statt mich für meine Ehrlichkeit zu schämen.


Wenn ich über diese Dinge nicht nachdenke, machen sie mich gar nicht mal so traurig. Und das ist bei so vielen Dingen so. Denk nicht großartig drüber nach, dann tut's auch nicht weh.


Manchmal weiß ich nicht, warum ich überhaupt noch denke.


Wenn ich daran denke, was...


Nee, Genug gedacht.