film, buch, album - himmel, ich merk mir solche sachen nicht gut genug.
was mir 2011 am besten gefiel: das sufjan stevens-konzert in berlin, einen tag vor meinem 20. geburtstag. überhaupt berlin <3. über twitter massenhaft neue, tolle menschen kennenlernen und feinen scheiß mit denen erleben. meine beziehung/partnerschaft/wieauchimmerman'snennenmag..
Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Und dennoch scheine ich es nicht komisch zu finden, dass ich immer nur abwarte dass alles besser wird, alles endlich in Gang kommt, das Leben losgeht oder so.
"She ain't running / She's walking a little slow / And she ain't crying - she's just singing a little low" - Rickie Lee Jones
2012-04-30
Haben Sie bereits einen Film, ein Buch oder ein Album des Jahres? Was gefiel Ihnen 2011 am Meisten?
Haben Sie bisher ein Konzentrationslager besichtigt? Wenn ja, welches, wie alt waren Sie und wie haben Sie sich gefühlt?
nein, leider noch nicht, obwohl ich in einer stadt aufgewachsen bin, die in der nähe von bergen-belsen liegt und andere aus meinem umfeld in nur 9 jahren schule zwei exkursionen dahin machten, bin ich in 13 jahren schule kein einziges mal dort gewesen.
wenn ich grad so drüber nachdenke, weiß ich auch nicht, ob ich das für mich speziell möchte. ich weiß, dass es nicht darum geht, sich wohlzufühlen bei der beschäftigung mit diesem kapitel der deutschen geschichte, aber mein punkt ist: ich kenne mich und ich weiß, wie sehr mich schon bspw. der besuch in der ausstellung beim holocaust-mahnmal in berlin aus der fassung bringt. ich hatte in der dritten klasse große probleme damit, dass ich deutsche bin, eben wegen der verbrechen der deutschen an den juden. und ich weiß nicht, ob ich als jemand, die sich der ganzen sache so sehr bewusst ist und so sehr nachempfinden kann, schon allein bei simpler betrachtung der fakten in tränen ausbrechen kann, mich mit so einem besuch vor ort, solch einer nähe von dem, was dort passiert ist, nicht überlasten würde. ich weiß es nicht und ich zwinge mich auch nicht, es auszuprobieren.
Was sind für dich die wichtigsten Charaktereigenschaften, die ein Mensch haben muss? (Egal ob Freundschaft oder Beziehung)
liebe, für sich, für andere, oder zumindest der wille dazu, aber das ist ja eigentlich in jedem menschen.
das wissen, dass man selbst eigentlich nichts weiß, lernbereitschaft, dadurch auch eine gewisse reife, das ist mir wichtig.
ich komm auch besser mit reflektierten und reflektierenden menschen zurecht, weil ich selbst so bin und das bei meinem gegenüber auch brauche. also auch eine ausgewogenheit zwischen emotional und rational, nur das eine oder das andere ist mir zu dumm.
außerdem: kommunikation. offen, ehrlich, nicht auf rohen eiern oder zahnfleisch, vertrauensvoll und -würdig.
mehr fällt mir grad nicht ein.
2011-10-21
Was treibt dir Tränen in die Augen?
glück.
traurigkeit, verzweiflung.
sehr oft wut, ich fange dann an zu lächeln, aber nicht mit den augen.
und, nicht zu vergessen: starker gegenwind.
Gibt es Situationen in denen Du das Gefühl hast ein völlig anderer Mensch zu sein?
wenn ich glücklich bin.
und wenn ich traurig, wütend, verzweifelt, in irgendeiner form rasend bin.
Wurden Religionen erfunden, um der Angst vor dem Tod zu begegnen?
wann wurde eigentlich die angst vorm tod erfunden?
und: nein, religionen wurden - wie vieles anderes - erfunden, um der angst vor strukturlosigkeit zu begegnen.
um der angst vor dem tod zu begegnen erfand man götter und in der religion eine möglichkeit, den ansprüchen dieser götter bestmöglich gerecht zu werden und daraufhin etwas zu erringen, was einem die angst vor dem tod nimmt: ewiges leben, paradies, nirvana, weiß der kuckuck.
ob man götter tatsächlich erfunden hat oder ob sie wirklich da sind, ist dann noch ne ganz andere frage.
2011-09-28
Hatten Sie ein Lieblingsstofftier? Wie hieß es und was war es, und besitzen Sie es heute noch?
ich kann mich nicht für ein lieblingsstofftier entscheiden, weil das die anderen zu sehr verletzen würde. war schon immer so.
wichtig bis heute sind: robbe (eine ca. 1 m lange babyrobbe, weiß und flauschig), teddy (mein brauner teddybär), teddy-baby (ein kleiner teddy in einem blümchengemusterten anzug) und panda (ein pandabär).
wunderbar deskriptive namen, nicht wahr?
2011-09-26
Was machen Sie anders als Ihre Eltern?
ich denke mehr nach. ich reflektiere mehr. ich bin, lebe, fühle, handle bewusster. ich weiß vielleicht nicht ganz, wer ich bin und vielleicht werde ich das auch nie ganz sein, aber ich weiß schon viel über mich und es wird mehr und ich bin auf einem guten weg. und das jetzt schon, nicht erst mit 40.
jedenfalls habe ich das alles vor. und es sich bewusst zu machen und sich vorzunehmen und los zu gehen ist ein guter anfang, ja?
ich will nicht die gleichen fehler machen. ich will da sein.
2011-09-20
warum hat man im internet das gefühl, jeder zweite hätte auch nen psychoknacks, während man sich im rl damit immer noch wie ein alien fühlt?
weil wir doch im internet alle viel offener und ehrlicher miteinander sind.
wenn ich hier darüber twittere, dass ich bei meinem therapeuten war, liest das irgendwer, denkt sich minimal seinen teil und findet's vielleicht sogar noch wertvoll - ich krieg davon nicht viel mit.
wenn ich aber im gespräch nebenbei erwähne, dass ich ne therapie mache, kommt sofort neugier, vielleicht sogar unverständnis und nach einer kurzen erklärung manchmal auch mitleid auf. das sind reaktionen, die ich einfach "bäm! in die fresse" kriege von meinem gegenüber.
ich habe an sich kein problem damit, darüber zu reden, dass ich ne therapie mache, aber die beschriebene reaktion (die ich von internetmenschen nicht kriege, weil internet nicht so unmittelbar ist) ist schon etwas unangenehm. und wenn ich diese reaktion erstmal gehabt hab, will ich vielleicht auch nicht mehr unbedingt erklären, was genau das problem ist, was für fortschritte und erfahrungen ich gemacht hab. das hat dann wenig mit den menschen zu tun als mehr mit ihren reaktionen.
lange rede, kurzer sinn:
rl = unmittelbare reaktionen = weniger offenheit, weil ich gar nicht auf alles ne reaktion will, vor allem keine unmittelbare
internet = keine unmittelbaren reaktionen, vielleicht sogar gar keine oder welche, die sich leicht ignorieren lassen = mehr offenheit, weil "keiner guckt" (zumindest kommt dieses gefühl leicht auf)
2011-09-11
Hattest du eine schöne Jugend?
aber wie gesagt. frag mich in 30 jahren nochmal, vielleicht heule ich dann schon rum, dass ja alles so toll war und bla.
vielleicht, und das würde ich sehr begrüßen, behalte ich aber mein bewusstsein für meine vergangenen perspektiven, und meine empathie für meine früheren ichs bei. das fände ich toll. denn dann würde ich auch mit 50 noch sagen: hey, es gab geile zeiten und tolle sachen, die ich in meiner jugend gemacht hab. und das waren großartige zeiten. aber es gab auch zeiten, in denen ich gerne gestorben wäre, und das zurecht, zeiten, in denen mir alles zu schwer war und ich zu allein war und zu überfordert. allein und überfordert mit der welt, mit den menschen um mich, mit schule und sogar mit mir selbst. und diese zeiten hindern mich bis heute, meine jugend als "schön" zu bezeichnen. und das ist okay.
das fände ich gut. weil ich nicht möchte, dass ich mir meine vergangenheit irgendwann schön lügen kann und damit all mein damaliges leiden ignoriere und für übertrieben erkläre.
(ganz objektiv: ich fing erst gegen ende meiner jugend halbwegs an, mit mir zurecht zu kommen, in meiner jugend habe ich einen sehr großen, sehr wichtigen teil meines umfelds verloren, erkannt, was mein vater für ein versager ist, meine eltern haben sich getrennt und die aus beiden zuvor genannten umständen entstehende emotionale situation hat mein abi deutlich schlechter gemacht als es hätte sein müssen. oh, und die todessehnsüchte aus unterschiedlichen gründen und anhaltende depressive phasen, aus welchen gründen auch immer.
ich finde das reicht insgesamt, um meine jugend objektiv als eher unschön zu sehen und zu empfinden.)
2011-08-30
Was hast du verpasst?
eine unbeschwerte pubertät, in der man auch mal einfach nur restlos dumm ist, ohne sich nen kopf über die welt und sich selbst und überhaupt alles zu machen. ich hatte insgesamt spaß und ich hab auch dummes gemacht, aber ich hab auch viel viel viel rumgedacht, oft ohne darüber zu reden, und das finde ich heute schade. wenn es meinen kindern irgendwann so geht, möchte ich für sie da sein, bevor sie sch das hirn zermartern.
eine unbeschwerte kindheit, in der man sich keine sorgen um die finanzen der familie macht, in der man auch mal wichtig ist oder zumindest fühlen kann, dass man wichtig ist, hab ich meiner meinung nach auch verpasst. und ich weiß, dass meine wahrnehmung anderen, z.b. meiner mutter, weh tut, weil sie mich liebt und ich ihr wichtig bin und war und das tut mir leid, aber das ändert nichts daran, dass ich das alles rückblickend immer noch sehen kann und immer noch weiß, dass ich mich mehr als einmal gefragt habe, ob ich adoptiert bin und deshalb nicht in meine familie passe.
ich hab gedankenlosigkeit verpasst. werde ich immer. immer wieder.
ich hab das abi, das ich hätte leisten und haben können, verpasst. für immer.
ich hab menschen und denkwürdiges und zeit verpasst.
Fast alles, nein, eigentlich alles-alles, was du geschrieben hast, trifft ebenso auf meinen Vater zu... Väter sind scheiße. Das ist jetzt zwar keine Frage, aber... es tut mir leid für uns.
schon irgendwie.
und was auch tragisch ist: es stimmt gar nicht. väter sind nicht scheiße. es gibt gute väter und ich sehe sie immer wieder und auch nach jahren lässt mich das immer wieder mit offenem mund da stehen und staunen, wenn ich sehe, was für gute väter manche männer sind. es ist nur nie meiner. nie mein vater. nein, ausgerechnet meiner muss ein versagerexemplar par excellence (wie auch immer das geschrieben wird) sein und das stört mich wirklich sehr, das kotzt mich an. das führt dazu, dass ich sogar auf fremde, offensichtlich awesome seiende väter mit kind im tragetuch im bus sauer sein kann. "du bist ein toller vater, aber nicht meiner. folglich bist du scheiße. geh weg." irrationaler kackmist.
2011-08-25
Was hat dein Vater getan, dass du ihn so konsequent für so viele deiner Probleme verantwortlich machst?
und er hat auch nicht wirklich schlimme dinge getan, bei denen man betroffen schweigt und nicht weiß was man sagen soll.
aber er war kein guter vater. er war ein desinteressierter vater, bei dem seine eigenen interessen und bedürfnisse immer vor denen aller anderen kommen. eine befreundete ärztin hat da mal eine narzisstische persönlichkeitsstörung vermutet, aber das ist nie irgendwie psychologisch festgestellt worden.
ich habe viele lustige erinnerungen an meine kindheit, die mit meinem vater verbunden sind. wir haben rumgealbert, witze gemacht, uns immer gut verstanden, schon als ich sehr klein war. ich war seine lieblingstochter. wir haben beide ein großes allgemeinwissen, man hatte eine intellektuelle ebene, das war nett.
aber: man wird älter und man schnallt mehr und man sieht dinge, die man vorher nicht gesehen hat. und was ich irgendwann sah, war, wie dumm mein vater teilweise ist. nicht dumm, was intelligenz angeht. sondern dumm, was wirkliches nachdenken angeht. wie dumm er handelte. wie dumm er diskutierte. dass meine meinung an seine sowieso nie heranreichen konnte, weil seine meinung die wahrheit war und nichts als die wahrheit.
mein vater sieht bis heute nicht, dass ich eine person bin, die eine eigene meinung hat und eigenständig denken kann. er liebt mich zwar, aber auf eine art, mit der ich nichts anfangen kann, weil diese liebe aus meiner sicht - genau so wie er und seine wahrnehmung der realität - krank ist. wenn jemand mich liebt, mich aber nicht als person wahrnimmt - sorry, das finde ich scheiße.
hinzu kommt, dass mein vater einfach nie da war und meine mutter mehr oder weniger fünf kinder alleine groß gezogen hat, was stressig und anstrengend war und sie an den rand ihrer kräfte gebracht hat, was auch für uns kinder auswirkungen hatte. er hat sich nicht darum gekümmert, einen job zu bekommen und geld zu verdienen, für seine große familie. das wenige geld, das wir hatten, ging eher für ihn drauf als für die ganze familie. man hätte damit wirtschaften können, aber weil er das nicht konnte, war das geld immer knapp, man konnte sich vieles schlichtweg nicht leisten.
der ganze scheiß in der ehe meiner eltern, der sich natürlich auch auf uns als ganze familie auswirkte, lässt sich zu großen teilen oder sogar insgesamt darauf zurückführen, dass mein vater nie erwachsen geworden ist. nie wirklich verantwortung übernommen hat. immer in erster linie für sich sorgt. und dann für sich. und dann für sich. dann für sich selbst, dann für sich, und irgendwo ganz am ende der schlange stehen dann vielleicht auch mal die anderen.
mein vater war und ist immer noch ein schlechter vater, weil er schlicht und ergreifend keiner war und ist. ich habe einen vater und habe keinen vater. das ist scheiße.